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Wie Tilo Marotz und Patrick Schultz für Donner & Reuschel Fonds selektieren

Wie Tilo Marotz und Patrick Schultz für Donner & Reuschel Fonds selektieren

Es sind wilde Tage in der bayerischen Landeshauptstadt. Vom 16. September bis zum 3. Oktober findet das Oktoberfest im Herzen Münchens auf der Theresienwiese statt. Über sechs Millionen Gäste strömen in die Festzelte und in die Fahrgeschäfte. Hier verlieren viele den Überblick und vieles erscheint auf den ersten Blick identisch. Die Lederhosen beispielsweise, ob nun in kurzer oder langer Version. Nahezu jeder Besucher hat sich mit dieser bayerischen Tracht ausgestattet. Als gebürtiger Münchner trägt auch Patrick Schultz eine Lederhose. Allerdings keine von der Stange, sondern seine eigene, maßgeschneiderte Version.

Es ist, wenn man so will, eine erste Parallele zu seiner Arbeit. Maßgeschneidert und selbst im größten Fonds-Getümmel mit dem richtigen Weitblick: Das ist der Anspruch, mit dem er gemeinsam mit seinem Kompagnon Tilo Marotz bei der Privatbank Donner & Reuschel die Fonds für seine Kunden selektiert. Um diesen Überblick stets zu wahren, sind beide Fonds-Selektoren Generalisten. „Eine Aufteilung nach Sektoren, Anlageregionen oder –klassen gibt es bei uns nicht. Dies verhindert, dass wir Scheuklappen vor den Augen haben und ganz ehrlich: So macht es auch viel mehr Spaß“, sagt Marotz schmunzelnd. Persönliche Präferenzen gibt es natürlich dennoch. Bei Schultz sind dies die Aktienstrategien, bei Marotz Alternative Strategien.

Dies zeigte sich auch Anfang Oktober 2016, als die Strategie im von Marotz verwalteten Dachfonds D&R Strategie Ausgewogen umgestellt wurde – mit einem Fokus auf Alternative Strategien. Die entscheidende Strategie-Veränderung des globalen Multi-Asset- Dachfonds bestand darin, dass nun über 50% des Fonds in Alternative Investments von CatBonds bis Volatilitäts- Strategien investiert sind.

„Alternative Strategien, die sonst nur sehr selten aufgrund ihrer Komplexität eingesetzt werden, machen den größten Teil dieses Fonds aus. Durch ihren Einsatz soll ein breit diversifiziertes robustes Portfolio aufgestellt werden. Außerdem bietet der Fonds Investoren Zugang zu innovativen Strategien, die sonst im Einzelnen schwer greifbar sind“, erklärt Marotz. Der hohe Anteil von alternativen Investments sei dabei neben dem Diversifikationsaspekt eine Reaktion auf das aktuelle Marktumfeld. „In diesem fehlt auf der Anleihe- Seite die Attraktivität. Generell muss meiner Meinung nach die klassische Risiko-Ertrags-Denkweise erneuert werden. Eine höhere Aktienquote und mehr Risiko bedeuten nicht automatisch mehr Ertrag.“

Marktphasenabhängige Selektion

Dennoch spielen Investments in Aktien eine zentrale Rolle für die Fonds-Selektoren von Donner & Reuschel. Aktuell beträgt die Aktienquote in den reinen Aktienmodulen der Privatbank 87,5%. Die Aktienquote kann dabei zwischen 0 und 100% schwanken. „Wir waren seit Mitte Januar zu 100% im Markt investiert und haben im Frühsommer jeweils zweimal die Quoten um jeweils 12,5% reduziert“, erklärt Schultz. Anfang September wurde die Quote zuletzt wieder auf 87,5% erhöht.

Wichtig ist, dass das Duo eine marktphasenabhängige Selektion auf der Aktienseite trifft. Jeweils ein Fonds wird für die Up-Phase und ein Fonds für die entsprechende Down-Phase genutzt. „Im Aktienbereich haben wir eine modellunterstützte Asset-Allokaktions-Methodik, die uns die Marktphase anzeigt. Darauf reagieren wir und passen unsere Portfolios entsprechend des Ergebnisses an“, erklärt Marotz, der hinzufügt: „Starre Zeiträume in der Selektion über ein, drei oder fünf Jahre sind selten sinnvoll.“ Vom sogenannten Allwetterprodukt halten beide Selektoren nicht viel. „Keiner ist immer gut und langfristige Outperformance kommt meist aus den Down-Phasen. Dies gründet sich dann auch weniger auf das Können oder die entsprechende Aktienselektion, sondern eher auf die Cash-Position oder strukturelle Gründe, wie Faktor-Tilts oder Sektorwetten“, macht Schultz deutlich.

Maschinen fehlt die Menschenkenntnis

Strukturell geht das seit 2010 fusionierte Hamburger Bankhaus Conrad Hinrich Donner und die Münchner Reuschel Bank selbst kurze Wege. Das Unternehmen mit Stammsitzen in Hamburg und München steht für persönliche und individuelle Beratung. „Wir sind ein kleines Bankhaus mit kurzen Wegen. Deshalb können wir Entscheidungen schnell treffen. Das besondere an uns ist, dass wir trotz der Distanz unserer Standorte sehr gut Hand in Hand zusammenarbeiten. Unsere Stärke in der Vermögensverwaltung ist die Maßanfertigung“, erklärt das Duo.

Im Asset Management arbeiten rund 30 Mitarbeiter. Die Donner & Reuschel ist ein Tochterunternehmen des Signal Iduna-Konzerns, der insgesamt mehr als 60 Milliarden Euro an Assets verwaltet. Das Team Fondsmanagement und Manager-Selektion ist in München beheimatet und besteht aus insgesamt fünf Personen. Durch diese schlanke Struktur will man besonders im Hinblick auf MiFID II, das im Januar 2018 in Kraft tritt, flexibel und vor allem effizient sein. „Dabei müssen wir uns im Asset Management nicht wegen MiFID II umstellen. Wir haben eigene Modelle und arbeiten weitgehend unabhängig von externem Research.“

Die steigende Digitalisierung ist allerdings ein großes und wichtiges Thema für die Privatbank. „Als aufgeschlossener traditioneller Asset Manager mit einem individuellen Beratungsansatz bietet uns die Nutzung von Technologie erweiterte Möglichkeiten. Sie macht uns schneller und damit effizienter“, so Schultz. Durch digitale Prozesse könne es die Privatbank schaffen, einen Mehrwert in den bestimmenden Parametern Performance und Risiko zu generieren. „Allerdings hat dies auch seine Grenzen. Wenn die Maschine auch noch so vieles kann, eines fehlt ihr: Menschenkenntnis und die Fähigkeit, auch zwischen den Zeilen zuzuhören und zu verstehen. Daher werden die Ansprechpartner für unsere Kunden die erfahrenen Berater aus Fleisch und Blut bleiben“, stellt Marotz klar.

Sehr kurze Duration in Deutschland

Dies spüren auch die Kunden des Unternehmens. Allen voran in der Fonds-Selektion. Dort wird komplett konzernunabhängig und ohne Dogmen gearbeitet. Scheuklappen sind zwar bei den Pferden auf dem Oktoberfest zu finden, nicht aber in der Arbeit von Marotz und Schultz. „Wir sind sehr flexibel. Einschränkungen bei Mindestvolumina, Produktexistenz, Anzahl der Vergleichsfonds etc. gibt es bei uns nicht. Aber der Manager oder Investmentansatz sollte in seiner Historie über mindestens einen relevanten Zeitraum erfolgreich sein.“

Dass die Fonds-Selektion der Donner & Reuschel auf erfolgreiche Jahre zurückblickt, liegt auch an der Erfahrung des Teams. So haben Marotz und Schultz über 15 Jahre Erfahrung in diesem speziellen Geschäft – und nicht nur in der Branche. Das gesamte Team besteht aus unterschiedlichen Persönlichkeiten, die sich ergänzen. Umso wichtiger ist diese Erfahrung derzeit auf der Anleiheseite. „Unser aktives und nicht modellgesteuertes Rentenmanagement sieht weiterhin Chancen im Anleihebereich. Dort kann man noch immer Geld verdienen“, sagt Marotz. Momentan ist man im Anleihebereich in Deutschland bei einer sehr kurzen Duration. In den USA ist die Duration im mittleren Bereich.

Alternativen sind wichtig

Eine in den klassischen Vermögensverwaltungsvarianten eher untergeordnete Rolle spielen bisher noch Alternative Investments. Diese wolle man nicht zuletzt im Vehikel des von Marotz verwalteten Dachfonds weiter erschließen und alternative Ertrags- und Risikoquellen sowie einen Diversifikator zu den systematischen Strategien des Hauses anbieten. „Zum anderen bieten sie eine Alternative im Niedrigzinsumfeld. Dies soll mit einem breiten Mix an Ertragsquellen, die möglichst wenig und am besten strukturell zum Kapitalmarkt - aber auch untereinander nicht korrelieren - gelingen. Beispiele sind Prämien für Naturkatastrophen, Merger Arbitrage, Volatilitäten aber auch spezielle Aktienthemen oder Fremdwährungserträge“, erklärt Marotz.

Wie wichtig Alternativen sein können, das sieht man auch auf dem Münchner Oktoberfest. Dort gibt es neben den großen und bekannten Festzelten auch die sogenannte Oide Wiesn. Hinter dem Riesenrad wird die Zeit zurückgedreht und man kann das Oktoberfest so erleben, wie es früher einmal war. Marotz und Schmitz wollen mit den Alternativen aber nicht zurück in die Vergangenheit, sondern weiter in die Zukunft gehen. Schließlich sollen nicht nur die Lederhosen des Duos, sondern auch die Investment-Entscheidungen auch in den nächsten Jahren noch perfekt sitzen. Passgenau und maßgeschneidert.

Dieser Text erschien erstmals im Citywire-Magazin vom Oktober 2017.

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