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Wie Wolfgang Krappe weiter wachsen will und den fünften Standort plant

Wie Wolfgang Krappe weiter wachsen will und den fünften Standort plant

Nichts ist auf dem Golfplatz wichtiger als die Auswahl des richtigen Schlägers. Je nach Entfernung des Abschlags oder der Charakteristik des Geländes muss der Spieler seinen Golfschläger wechseln. Die Auswahl ist groß. Aber alle erfüllen einen Zweck und kommen in der richtigen Situation zum Einsatz.

Wolfgang Krappe, Vorstand der Capitell Vermögens-Management AG, weiß als leidenschaftlicher Golfspieler genau, wann er welchen Schlägertyp wählen muss. Gleiches gilt auch für die Auswahl der Unternehmen, in die er und sein Team investieren. In jedem Marktumfeld müssen sie anders agieren. Sie müssen dabei flexibel sein, ihr Repertoire kennen und sich an die Gegebenheiten anpassen. Aufgrund der Unsicherheit durch politische Krisen und Markt­schwankungen ist derzeit die Auswahl besonders heikel.

„Wir sind kein Fonds-Freund“

„Die Berechenbarkeit der Zukunft wird immer komplizierter. Deswe­gen ist es das sicherste Investment, in nachhaltige Geschäftsmo­delle von guten Unternehmen zu investieren. Diese Unternehmen müssen vor allem liquide sein“, sagt Krappe. Einzeltitelunternehmen spielen in der Asset Allokation des Capitell Vermögens-Managements eine zentrale Rolle. „Wir sind großer Fan von Substanz-Investments“, so Krappe. „Wir sind kein Fonds-Freund, sondern versuchen, unternehmerisch auf Einzelwerte zu setzen.“

Für eine Vermögensverwaltung ist es eher ungewöhnlich, nicht auf aktiv verwaltete Fonds zu setzen. Aber die Capitell will sich durch Investitionen in Einzeltitel bewusst von der Konkurrenz absetzen. Zudem hat das Unternehmen, das derzeit rund 900 Kunden betreut und ein Vermögen in Höhe von über 1 Milliarde Euro verwaltet, mit 35 Festangestellten auch die Kapazitäten für die Auswahl von Einzeltiteln.

„Wir besetzen eine Nische, da wir eine Vermögensverwaltung ab 500.000 Euro mit Investments in Substanzwerte und Individu­alaktien und nicht durch den Einsatz von aktiv verwalteten Fonds anbieten. Wir wollen, dass die Depots auch für Nicht-Experten ersichtlich sind“, erläutert Krappe.

Wenn ein Kunde Unternehmen wie Bayer, BASF oder SAP in seinem Portfolio sehe, wisse er, worüber gesprochen werde. „Damit fühlen wir uns wohler zu investieren als in Fonds. Zudem freuen sich die Kunden, dass sie ein persönliches Portfolio erhalten, auch mit einer Anlage unter 1 Million Euro.“ Derivate oder komplexe Investments sind in den Portfolios nicht vorgesehen.

Einzeltitel sucht Krappe dabei in Europa und den Vereinigten Staaten. Als Grund für seine individuelle Investmentstrategie nennt Krappe nicht nur die Abgrenzung zu anderen Vermögensverwaltun­gen: „Nachhaltig gesehen ist es viel schwieriger, ein Alpha, also einen Mehrwert, über einen Fonds zu erzielen und den Markt mit diesem Fonds zu schla­gen“, so Krappe.

Portfolio mit nur zehn Titeln

Über die vergangenen Jahre haben Krappe und sein Team gesehen, dass ihre Einzeltitellösung bessere Renditen erzielen kann als eine auf Fonds basierte Vermögensverwaltung. Generell sei er dem Kern der Fondsindustrie aber nicht abgeneigt. „Unser Know-How, das wir in-house vorweisen können, ermöglicht es uns allerdings, die Einzeltitelselektion vorzunehmen und nicht wie andere Vermögens­verwalter einzelne Aspekte, wie beispielsweise das Portfolioma­nagement, an Fondsmanager auszulagern.“

Für Kunden ab einem Vermögen von 3 Millionen Euro bietet die Capitell ein besonderes Portfolio: Es besteht lediglich aus zehn Aktientiteln. „Das Risikomanagement wird über Liquidität und Timing gesteuert. Diese konzentrierte Substanzanlage findet in den vergangenen Jahren großen Anklang“, so Krappe. Im Portfolio sind Werte, die sich dadurch auszeichnen, dass Mitarbeiter von Capitell persönliche Kontakte zu Managern der Unternehmen halten. Die Auswahl treffen Krappe und seine Mitarbeiter aus dem Universum des Euro Stoxx 50.

Schnelleres Wachstum als je zuvor

Allerdings bieten exotischere Titel und Märkte manchmal Renditen, die im Euro Stoxx 50 schwieriger zu finden sind. Um solche Opportunitä­ten nicht zu verpassen, decken Krappe und sein Team diese Chancen mit passiven Investments ab. „Wir haben nicht den Anspruch und die Expertise in ‚unbekannteren‘ Märkten wie beispielsweise Vietnam Einzeltitel ausfindig zu machen“, so Krappe. „Für solche Märkte und zur Diversifikation nutzen wir ETFs. Wir schauen uns aber auch makroökonomisch interessante Märkte an, die wir mit liquiden ETFs abdecken.“

Insgesamt investiert Krappe bis zu 30% eines Portfolios in ETFs. Die restlichen 70% sind in Einzeltitel, Liquidität oder Unterneh­mensanleihen investiert. „Die aktuellen Bewertungen von Unter­nehmensanleihen sind aber nicht mehr so attraktiv“, fügt Krappe hinzu, der den Fokus auf die Einzeltitelselektion legt. Staatsanlei­hen spielen bei der Capitell aufgrund der Marktsituation seit rund zwölf Monaten keine Rolle mehr.

Interessant könnten allerdings in naher Zukunft die sogenannten BRIC-Märkte, also Brasilien, Russland, Indien und China, werden. „Dort haben die Volkswirtschaften Reformen durchgeführt. Die Märkte wurden in den vergangenen Jahren abgestraft und die Bewertungen sind teilweise attraktiv“, so Krappe. Allerdings sehe er in den etablierten Märkten noch weiterhin gute Investmentchancen. Deswegen investiere er aktuell lieber in Europa und den USA.

Eine Gegend mit viel Geld – aber keinem Vermögensverwalter*

Als guter Golfspieler wägt Krappe auch im Beruf Risiko und Ertrag ab. So fiel auch die Entscheidung, vor rund zwei Jahren einen vierten Unternehmensstandort in Baden-Baden zu eröffnen. Nach dem Stammsitz in Frankfurt am Main sowie den Niederlassungen in Hamburg und Hannover ist das Büro in Baden-Baden der nächste Schritt auf einem anhaltenden Expansionsweg.

„Baden-Baden ist der am schnellsten wachsende Standort, den die Capitell je gegründet hat. Für uns ist es das Tor in den süddeutschen Raum, insbesondere Baden-Württemberg“, bilanziert Krappe. „Wir haben festgestellt, dass in Baden-Baden alle Top-Privatbanken vertreten sind – angefangen von Sal. Oppenheim bis zur BHF-Bank. Aber in Baden-Baden selbst gibt es keinen einzigen Vermögensverwalter für Dritte.“

Diese Nische füllt die Capitell. Das Gebiet um Baden-Baden sei eine Region mit viel Vermögen. „Wir hätten durchaus von Frankfurt aus Kunden in Baden-Baden betreuen können. Aber gerade der Schritt, einen Standort vor Ort aufzubauen und diese persönliche Nähe herzustellen, war für uns wichtig“, so Krappe. Für anspruchsvolle Kunden sei der persönliche Kontakt essentiell.

Fünfter Standort 2017

Diesen persönlichen Kontakt wolle die Capitell durch die geografische Expansion aufrechterhalten – und diese Expansion ist noch lange nicht abgeschlossen. „Derzeit ist ein fünfter Standort in Planung, der in etwa einem Jahr realisiert werden soll. Gespräche mit Privatbankern laufen bereits. In Sachen Expansi­onen haben wir so viel Erfahrung wie kaum jemand anderes im Business – nicht mal Flossbach von Storch kann sich in dieser Disziplin mit uns messen“, sagt Krappe.

Der Ausbau des Unternehmens laufe dabei nach einem intern festgelegten Akquisitionsplan. Das Wachstum wird systematisch vorangetrieben. Profitieren wollen Krappe und sein Unternehmen dabei von der aktuell schwierigen Situation bei Privatbanken. „Es gibt bereits jetzt eine große Fluktuation bei Privatbankern. Das ist eine große Chance für uns und es bietet uns vor allem die Möglich­keit, weiter zu wachsen und zu expandieren beziehungsweise diesen Privatbankern ein neues Zuhause zu geben.“

„Die Privatbank stirbt aus“

Der Vorstand der Capitell glaubt, dass in Zukunft Kunden weiterhin eine Depotbank besitzen und ihr Geld bei einem Vermögensverwal­ter anlegen werden. „Die Privatbank dazwischen wird aber vermehrt aussterben“, prophezeit er und erwartet, dass das auch für kleinere Vermögensverwaltungen gilt.

„In den vergangenen Jahren hat man bereits eine große Anzahl von Rückgaben der 32er-Lizenz der BaFin gesehen. Ich denke, dass sich dieser Trend fortsetzen wird und vor allem Vermögensver­waltungen mit einem verwalteten Vermögen von weniger als 100 Millionen Euro von dieser Konsolidierung betroffen sein werden“, so Krappe. Ein verwaltetes Vermögen oberhalb dieser Grenze sei eine kritische Größe für eine erfolgreiche Vermögensverwaltung.

„Unterhalb dieser Größe müssen verschiedene Prozesse ausgela­gert werden. Dieses Handicap kann man temporär zwar ausgleichen, langfristig gesehen kann man damit aber nicht überstehen.

Es werden nur große Vermögensverwaltungen überleben.“ Dabei erwartet Krappe vor allem in den kommenden zwei Jahren eine beschleunigte Konsolidierungsphase bei kleinen Vermögensverwaltern.

Für die Capitell, die bereits jetzt ein Vermögen von mehr als einer Milliarde Euro verwaltet, strebt Krappe eine andere Entwick­lung an: „Wir wollen zum einen von den Standorten selbst und zum anderen von der Mitarbeiterzahl an den Standorten wachsen.“

Weißer Fleck auf Karte der Vermögensverwalter

Dass die meisten seiner Kunden aus dem deutschen Mittelstand kommen und Unternehmer sind, passt gut. Denn Krappe war früher selbst als Unternehmer tätig. „Die Firma wurde allerdings veräußert. Dort habe ich dann mitbekommen, wie schwierig es ist, die Aufgabe der Vermögensverwaltung zu delegieren. Deswegen habe ich mich entschlossen, diese Aufgabe selbst zu erfüllen.“

Dass der gebürtige Düsseldorfer, der lange Zeit in Frankfurt gelebt hat, nun im eher beschaulichen Baden-Baden angekommen ist, ist für Krappe ein Glücksfall. „Baden-Baden ist sozusagen eines der Zentren des deutschen Mittelstandes. Ich bin in Frankfurt großgeworden, habe mich aber entschieden, von der Finanzmetropole an den Standort Baden-Baden zu ziehen. Dieser ist sozusagen ein weißer Fleck auf der deutschen Vermögensver­walter-Karte mit enorm viel Potential.“

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der September-Ausgabe von Citywire Deutschland.

* Die Citywire Deutschland-Redaktion merkt an, dass neben der Capitell Vermögens-Management auch der Stuttgarter Vermögensverwalter Valorvest seit Anfang 2016 nach Baden-Baden expandiert ist und dort agiert.

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