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Wojciech Stanislawski im Portrait: Pragmatiker mit Piranhas

Wojciech Stanislawski im Portrait: Pragmatiker mit Piranhas

Für Wojciech Stanislawski hat die Reise schon früh begonnen. Mit 19 verließ er seine Heimat Polen und zog zum Studium nach Paris. Das war 1994. Fünf Jahre später begann er seinen ersten Job und das Reisen ging weiter. China, Hongkong, Indien, Südafrika, Brasilien, Mexiko, Russland. Dabei hat er viel gelernt – nicht nur über die Welt der Investments.

So etwa bei einer beruflichen Reise nach Indien. „Ich hatte etwas in meinem Zimmer vergessen und bin schnell noch mal zurückgegangen. Und dann sehe ich den Putzmann im Bad, wie er meine Zahnbürste benutzt“, erinnerte sich Stanislawski und muss dabei selbst schmunzeln. „Seitdem lege ich meine Zahn­bürste zusammen mit dem Rasierer immer in den Safe.“ Doch seine Erfahrungen helfen ihm auch in seiner Arbeit pragmatische Entscheidungen zu treffen, wie er sagt. „Natürlich müssen wir als Manager von Schwellenländerfonds reisen und die Unternehmen besichtigen, in die wir investieren, um sie und die Umgebung besser kennenzulernen.“

Inzwischen ist Stanislawski Team Manager des Aktienteams für Schwellenländer bei Comgest, einem 1985 in Paris gegründeten internationalen Asset Manager. Aus seinem Pariser Büro, nicht weit vom Louvre Museum entfernt, verwaltet er einige Schwel­lenländerfonds, darunter auch das Schwergewicht Magellan mit einem Volumen von knapp drei Milliarden Euro laut Factsheet von Ende Juli. Und die Performance zeigt: Das Reisen hat sich gelohnt. Seit Stanislawskis Antritt als Fondsmanager im Januar 2000 erzielte der Magellan C bis Ende Juli 2016 eine Performance von 300,64% auf Euro-Basis. Die von Citywire vergebene Benchmark, MSCI EM (Emerging Markets) TR USD, stieg im selben Zeitraum um 142%.

Mittlerweile reist Stanislawski weniger als früher. Das Team ist groß genug, um die Arbeit etwas aufzuteilen. Aber durch seine internationale Erfahrung weiß er, wie viele dieser unterschiedlichen Länder funktionieren; und er hat ein gutes Auge für Opportunitäten entwickelt. Zusammen mit seinem Team sucht er nach guten und soliden Unternehmen mit starken Zugangsbarrieren, die somit auf lange Sicht wachsen können. Ein Land, in dem er momentan Potenzial sieht, ist China.

Rendite mit Schnaps und Milch

„Wenn wir uns den Schwellenländerraum heute anschauen, dann scheint es, als bleibe China das Land, das von Investoren offensicht­lich übersehen wird“, sagt Stanislawski, der bei Citywire mit einem AA-Rating ausgezeichnet ist. „Investoren sind ziemlich geschickt darin, Ausreden zu finden, um nicht in China zu investieren.“ Sie würden sich mit dem Land unwohl fühlen, weil sie nicht genau wissen, wie es funktioniert. „China ist natürlich eine große und komplexe Wirtschaft, weil es kein kapitalistischer Ort ist. Es ist ein sehr untypisches Modell.“

Doch durch diese Scheu, die Stanislawski bei vielen Investoren ausmacht, entstehen Möglichkeiten für gute Investments. Durch das mangelnde Interesse seien Unternehmen in China attraktiv bewertet. „Gleichzeitig ist China ein großes Land mit starken Verbrauchern, deswegen sind die Wachstumsaussichten für viele der chinesischen Firmen fantastisch.“

Als Beispiel für ein Unternehmen, mit denen er zufrieden ist, nennt Stanislawski Kweichow Moutai, den Hersteller eines tradi­tionellen chinesischen Schnapses aus der Moutai-Gegend. Dabei handelt es sich um ein sehr teures Produkt, da eine Flasche schnell 200 US-Dollar und mehr kostet. „Hier haben wir ein Unternehmen, das eine Marke entwickelt hat, die sehr hoch geschätzt wird in China.“ So ziemlich jeder Chinese kenne sie und würde gerne einen Moutai kaufen oder seinen Gästem anbieten. Das Produkt und die Marke seien nicht zu kopieren, und das Unternehmen wachse kontinuierlich. Die Position liegt momentan bei 4%.

Neben dem Markt für Schnaps wächst in China auch der Verkauf von Milch. Eine Position, die Stanislawski und sein Team unlängst initiiert haben, ist Inner Mongolia Yili, einer der größten Hersteller von Milchprodukten in China. „Inner Mongolia Yili ist ein Unterneh­men mit einer sehr starken Marke, so wie Danone in Frankreich.“ Die Firma habe eine effiziente Logistik und Produktionsstätten. Das weiß Stanislawski natürlich aus erster Hand. „Wir haben einige von ihnen besucht.“ Hinzu komme eine Bevölkerung, die immer mehr teure Produkte kauft. „Anstelle von lediglich roher Milch kaufen Chinesen heute mehr Nachspeisen, Milch für Babys und Eiscreme“, so Stanislawski.

Je mehr Haie und Piranhas, desto besser

Gute Voraussetzungen also für Wachstum und Rendite. Der Markt öffne sich nach dem Start des A-shares-Handels immer mehr für internationale Investoren. Ein weiterer Schritt in diese Richtung war die im August genehmigte Aktienhandelsverbindung zwischen der Börse in Hongkong und der Börse in Shenzhen auf dem chinesischen Festland. „Ich glaube, dass die weitere Öffnung des Marktes in Shenzhen zunehmend von anderen Fonds genutzt wird“, so der Fondsmanager.

Aber es läuft nicht immer alles glatt, sowohl auf der Makroebene als auch länderspezifisch. Die größte Herausforderung in China sei das Level der Offenlegung, der Transparenz und der Ehrlichkeit der Unternehmensbesitzer, so Stanislawski. Dennoch gebe es deutliche Versuche der Regierung, Unternehmen professioneller zu machen, insbesondere die staatseigenen Unternehmen. „Ergebnisse sind schon sichtbar, aber es braucht Zeit.“

Auch hat sich das Wachstum in China abgeschwächt. Für das Jahr 2016 prognostiziert der Internationale Währungsfonds ein Wirt­schaftswachstum von 6,6%, für das Folgejahr 6,2%. Im Jahr 2010 war das Wachstum noch zweistellig. Doch nach 20 bis 30 Jahren sehr starken Wachstums sei es selbstverständlich, dass dieses nun nachlässt, sagt Stanislawski.

Anstelle der Höhe des Wachstums sollte der Fokus auf der Qualität des Wachstums der chinesischen Wirtschaft liegen, so der Fondsmanager. „Die Qualität des Wachstums verbessert sich deutlich, denn das Land ist immer weniger kapitalintensiv: es geht weniger darum, Straßen, Brücken und Fabriken zu bauen, sondern mehr um eine Bevölkerung, die weniger spart und mehr ausgibt. Und in diese Richtung bewegt sich die Regierung.“

Wieso entscheidet man sich gerade für einen Schnapshersteller und einen Produzenten von Milchprodukten? Beide sind Teil einer sehr konzentrierten Strategie, etwas mehr als 40 Unternehmen zählt das Magellan C-Portfolio. Der Investmentstil, den Stanislawski und sein Team anwenden, ist immer der gleiche. „Wir sind langfristige Investoren. Wir verbringen unsere Tage damit, Unternehmen anzuschauen und die Menschen, die diese Unternehmen führen. Wir versuchen Aktien von Firmen mit außergewöhnlichen Businessmo­dellen zu identifizieren. Firmen, die es geschafft haben, Eintritts­barrieren zu schaffen, um ihr Business zu schützen.“ Das sei genau das, was Warren Buffett als Graben bezeichnet. „Je größer der Graben, je voller ist er mit Haien und Piranhas, umso interessanter ist es für uns.“ In China sei die Situation nicht anders.

Teamarbeit von Peking bis Paris

China ist Ende Juli mit 32% die größte Länderposition und deutlich über­gewichtet in Stanislawskis Magellan C-Fonds. Mit 15,3% liegt Indien auf dem zweiten Platz zwar deutlich dahinter, ist aber im Vergleich zur Benchmark stark übergewichtet. Dahinter folgt Brasilien als drittgrößte Länderposition mit 12,3%. Eine Investition, die das Fondsmanagement hier kürzlich erhöht hat, ist Brasil Foods, ein führender Nahrungsprodu­zent in Brasilien. Das Unternehmen produziert etwa Fertiggerichte und hält je nach Produktlinie Marktanteile zwischen 40% und 70%.

Aber wo das Unternehmen seinen Hauptsitz hat, sei nicht entscheidend für das Fondsmanagement, erklärt Stanislawski. „Wir schauen uns Unternehmen als Bottom-Up-Investor an.“ Dabei kümmern sie sich nicht zu sehr um das Land, die Politik und das makroökonomische Umfeld, da sich die Unternehmen unabhängig vom Konjunkturverlauf beweisen müssten. „Natürlich versuchen wir einige sehr große oder sehr gefährliche Situationen oder bedeutende Wendepunkte zu ermitteln. Aber am Ende geht es um die Unter­nehmen. Wenn wir 30% des Portfolios in indischen Unternehmen finden können und 20% in russischen, dann entscheiden wir uns da gerne für.“ Das bedeutet, das Übergewicht in China, Brasilien und Indien und das Untergewicht etwa in Korea sei das Ergebnis der Einzeltitelauswahl. Eine zu große Gewichtung in einem Land versucht das Fondsmanagement aber zu vermeiden.

Diese Einzeltitelauswahl ist Teamarbeit. Unternehmen analysie­ren, kaufen und verkaufen – all das werde als Team entschieden. Stanislawski verwaltet den Fonds nicht allein. David Raper, Charles Biderman und Emil Wolter sind ebenfalls Fondsmanager, sitzen aber nicht alle am selben Standort. Raper etwa verwaltet das Team in Asien von Hongkong aus. In Paris sind sie insgesamt zu acht, weltweit sind es 18 Mitarbeiter in Stanislawskis Team. „Wir haben eine sehr flache Struktur und eine sehr produktive und angenehme Arbeitsatmosphäre“, sagt Stanislawski, der seinen Master in Unternehmens- und Finanzmanagement an der Universität Paris II Panthéon-Assas absolviert hat. Paris gefällt ihm, auch nach so vie­len Jahren. „Paris ist eine schöne Stadt und ich bin froh, hier zu sein und immer neue schöne Orte in der Stadt zu entdecken.“ Besonders gefallen ihm zum Beispiel die Seinebrücken und der Ausblick, den sie bieten. Hier bevorzugt er die Pont Neuf.

"Ein Tag ohne Trading macht Spaß"

Im Portfolio geht es weniger darum, ständig neue Orte zu entde­cken. „Je länger ich im Business bin, desto weniger begeistert mich das Trading und desto mehr gefällt es mir bis zu einem gewissen Grad, gar nicht zu traden“, sagt Stanislawski. Die Idee sei vielmehr, ein Unternehmen auszumachen, bei einem guten Einstiegspunkt zu investieren und dabei so lange wie möglich zu bleiben, ohne viel zu tun. Manchmal müsse etwas auf- oder abgebaut werden, je nachdem, was an den Märkten passiert.

Und das ist gerade einiges. Für viele Investoren werden Schwellenländerwieder interessant. Der Markt suche nach Kaufmöglichkeiten, antwortet Stanislawski auf die Frage, warum Schwellenländer wieder beliebter werden. Es sei viel Liquidität im System und Investoren hätten Geld. Zwar bleibe kurz- bis mittelfristig die Situation in Schwellenländern herausfordernd und es braucht praktische Reformen in bestimmten Ländern. Langfristig seien Schwellenländer jedoch sehr vielversprechend. „Ein großer Teil der Bevölkerung wird zunehmend in die Mittelschicht aufsteigen, das werden Milliarden Menschen in den kommenden 20, 30 Jahren sein.“ Auch wenn das Bruttoinlandsprodukt vieler Länder etwas weniger wachse als in der Vergangenheit, sei es immer noch mehr als in entwickelten Märkten. Das bedeute, dass die Nachfrage für viele Produkte und Dienstleistungen langfristig weiterhin robust bleibt.

Natürlich hat Stanislawski mit Schwellenländern auch schon schwierige Zeiten erlebt. Im Jahr 2008 verzeichnete der Magellan C Fonds einen Wertverlust von 43,72%, die von Citywire vergebene Benchmark verlor sogar 50,76%. „Das war das Jahr der Finanzkrise, so ziemlich jeder Aktienmarkt ist erheblich abgestürzt“, erinnert sich Stanislawski. Danach hätten sich die Schwellenländer jedoch schnell erholt. Zwischen 2009 und 2011 wurde die Assetklasse wieder beliebter, zwischenzeitlich hätten Investoren über Schwellenländer fast als sicheren Hafen gesprochen. Das sei zu dem Zeitpunkt gewesen, als Europa kurz vor einem Auseinanderbrechen und einer Staatspleite Griechenlands stand.

Doch auch aktuell gibt es Entwicklungen, die Stanislawski und sein Team aufmerksam verfolgen. Eine davon ist die Richtung der Zinssätze. „Zinsen werden in vielen Orten der Welt negativ und es sieht so aus, als gingen sie auch in einigen Schwellenländern in diese Richtung. Das wird komplett anders sein als das, was wir in der Vergangenheit gesehen haben.“

Eine neue Entwicklung also, und vielleicht eine, die Stanislawskiund sein Team wieder vermehrt zum Reisen veranlassen wird, um neue Unternehmen ausfindig zu machen. Stanislawski wäre dafür bereit – denn er weiß: Wenn mal etwas nicht so läuft wie geplant, dann muss man es einfach pragmatisch nehmen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Oktober-Ausgabe des Citywire Deutschland Magazins.

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