Citywire - Für professionelle Investoren

Melden Sie sich an um unbeschränkten Zugriff zur Fondsmanager-Datenbank von Citywire zu bekommen. Die Anmeldung ist kostenlos und dauert nur wenige Minuten.

AAA-Manager von First Private: „Investoren gieren nach Dividende“

AAA-Manager von First Private: „Investoren gieren nach Dividende“

Laut Ernst & Young schütteten 15 der DAX-30-Unternehmen so viel an Dividenden in der vergangenen Berichtssaison aus, wie noch nie zuvor in ihrer Firmengeschichte. Was ist der Hauptgrund, warum Firmen momentan so hohe Dividenden ausschütten?

Tobias Klein: Die Unternehmen schütten so viel aus, weil sie es können – und die Investoren vermehrt nach Dividende gieren. Kursteigerungen sind grundsätzlich natürlich genau so wertvoll, aber große Anlegergruppen brauchen faktisch einfach laufende Erträge. Im aktuellen Niedrigst-Zinsumfeld müssen diese Anleger inzwischen vermehrt Dividendentitel beimischen. Aktien mit besonders hoher Ausschüttung fallen hier natürlich als erstes ins Auge. Das ist fast schon ein Wettbewerb. 

Skeptiker dieser hohen Dividenden würden sagen, dass die Ausschüttungen durch Schulden, nicht Wachstum, finanziert werden. Sehen Sie das auch so? Müssen Firmen heutzutage gute Geschäftsmodelle haben und Wachstum vorweisen können, um Dividenden zu zahlen?

Genau, die Dividendenhöhe allein kann täuschen. Bei First Private haben wir ganz klar geregelte Kriterien, mit denen wir die Dividendenwerte für den Staufer-Fonds auswählen: Neben der Höhe der Ausschüttung ist uns wichtig, dass unsere Unternehmen diese Dividende aus dem operativen Geschäft bezahlen und die historischen Ausschüttungen eine gewisse Stetigkeit aufweisen. Des Weiteren interessieren uns neben den stabilen Dividendenzahlern auch Unternehmen, die ihr überschüssiges Kapital in Form von Aktienrückkäufen an die Aktionäre zurückgeben. Unabhängig vom Faktor Dividende beobachten wir zahlreiche weitere Bewertungskennzahlen, achten aber auch auf die kurzfristige Gewinndynamik. 

Wie investiert man nachhaltig in diesem Sektor? Warum investieren Sie in Firmen mit einer niedrigen Dividende?

Wir interessieren uns nicht nur für Unternehmen, die bereits Dividendenhöchstwerte erreicht haben, sondern kaufen vereinzelt auch schon mal Titel, bei denen unsere Analysen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf substanzielle Erhöhungen einer möglicherweise derzeit noch niedrigen Dividende hinweisen. Diese Vorausschau ist einer der Gründe für unseren Erfolg gegenüber klassischen Dividendenfonds oder Dividenden-ETFs. 

Taxi Talk mit AAA-Fondsmanager von First Private

Bei welchen Titeln oder Sektoren gibt es am meisten Gefahr?

Die Versicherungen haben in den letzten Jahren hervorragende Ergebnisse erzielt. Der anhaltende Niedrigzins erschwert es ihnen allerdings zunehmend, diese Ergebnisse zu bestätigen. Sollten sich die Ertragsaussichten derart verschlechtern, dass die Dividenden in Gefahr sind, würden wir hier unsere Quote sicher reduzieren, allerdings gibt es hierfür aktuell noch wenig Anzeichen.  

Nach wie vor erhöhtes Risiko sehen wir bei den Energiewerten. Trotz des Ölpreisanstiegs der letzten Wochen sind wir noch immer auf einem Ölpreisniveau, auf dem ein Großteil der Förderkapazitäten nicht profitabel ist. Dass er aber gefährlich ist, komplett auf den Sektor zu verzichten, haben wir in den letzten Wochen auch gesehen, die Aktien des Sektors haben mit starken Kursaufschlägen auf die Ölpreiserholung reagiert. 

Vorsichtig sind wir auch bei den Konsumgüterherstellern und hier insbesondere im Luxussegment. Diese haben von dem lange Jahre anhaltenden Emerging Markets-Aufschwung profitiert und bekommen momentan starken Gegenwind. 

Der Fonds verfolgt eine Quant-Strategie. Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie durch die Auswahl des Fonds? Deutet die automatisierte Titelauswahl auf bestimmte Trends?

Es sind immer wieder regionale oder sektorale Trends zu erkennen. Wir achten aber auf ausreichende Diversifikation und beschränken den Einfluss solcher Trends. Ein zunehmender Trend ist sicher auch, Dividenden zu zahlen, die teilweise gar nicht aus dem operativen Geschäft kommen. Das durchschauen wir natürlich.

Ein wachsender Teil von Anlegern investiert inzwischen in passive ETFs – Gerade die systematisch aktive Investment-Strategie des Staufer-Fonds hat sich in den letzten Jahren gegenüber statisch, passiven Produkten bewähren können. Es gibt immer weniger spezialisierte, aktive Konkurrenz im Aufspüren von Fehlbewertungen. Mit dem First Private Euro Dividenden Staufer können wir uns zum Beispiel auch nach Kosten selbst von guten Dividenden-ETFs merklich absetzen.

Wie stehen deutsche Firmen im gesamteuropäischen Kontext da? Sind Beispiele von Firmen, die ihre Dividende gestrichen (Deutsche Bank, RWE) oder gekürzt (VW) haben, eher Ausnahmefälle?

Es gibt sowohl in Deutschland als auch in den anderen Ländern der Eurozone auf der einen Seite Firmen, die gut gemanagt sind und auf der anderen Seite Firmen mit Problemen, die zum Teil hausgemacht sind. Durch die gute wirtschaftliche Situation stehen sicherlich die deutschen Titel im gesamteuropäischen Kontext gut da, das spiegelt sich allerdings oft auch in den Bewertungen wider. Aus diesem Grund sind deutsche Titel im Fonds derzeit eher untergewichtet.

Vier von den Top-10-Positionen im Fonds sind Finanz-Dienstleistungen. Was spricht dafür, dass die Banken weiterhin stabile Dividenden ausschütten werden? Besteht mit der Niedrigzinspolitik in Europa nicht eine Gefahr für das Geschäftsmodell von Banken?

Bei Banken sind wir eher skeptisch, die sind untergewichtet. Niedrige Zinsen, zunehmende Regulierung, steigende Kapitalanforderungen – das ist kein gutes Marktumfeld. Aber im Finanzbereich insgesamt sehen wir viele interessante Titel. Neben Versicherungen halten wir in diesem Sektor aktuell zum Beispiel noch zwei Börsenbetreiber und einen Vermögensverwalter. Insgesamt sind wir nur moderat über dem Gewicht der Benchmark vertreten.

Kommentar hinterlassen

Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich um zu kommentieren. Die Registrierung ist kostenlos und wird nur ein bis zwei Minuten dauern.

Ähnliche Fondsmanager

Tobias Klein
Tobias Klein
15/33 in Aktien - Europa Dividenden (Performance über 3 Jahre) Durchschnittliche Fondsperformance: -1,96%