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Acatis Leber: Keine neuen Boutiquen in Deutschland

Acatis Leber: Keine neuen Boutiquen in Deutschland

Bei dem Citywire Fondsselektor Forum in Frankfurt erörterten Boutique-Gründer und Fondsmanager Hendrik Leber von Acatis und der französische Boutique-Gründer Marc Renaud von Manderine Gestion, was die Unterschiede zwischen französischen und deutschen Boutiquen sind.

In der Podiumsdiskussion auf der Citywire-Veranstaltung bei dem mehrere internationale Fondsmanager auf über 20 Fondsselektoren trafen, kristallisierte sich heraus, dass Frankreich stärker einen Boden für Boutiquen-Gründungen bietet, als Deutschland. In Deutschland kommen kaum neue Häuser hinzu, aber dafür verschwinden in Frankreich viele der Boutiquen auch schnell wieder aus der Landschaft, wenn sie nicht mit einer langjährigen Rendite punkten können, kreative Konzepte haben und sich richtig gegenüber den Marktteilnehmern verkaufen könnten, glaubt Renaud.   

„Wir habe eine Anzahl an respektierten Boutiquen in Deutschland, die eine ausreichende Größe haben, aber im Finanzsektor mögen Deutsche generell nicht gerne mit kleinen Unternehmen umgehen. Sie wollen die Verlässlichkeit und Sicherheit großer Häuser,“ meint Leber.

So sei es nicht einfach für einen deutschen Fondsmanager in Deutschland eine Boutique aufzubauen. „Es gibt viele, die es nie über die ersten 10 Millionen schaffen und du benötigst mindestens eine Milliarden, um hier in Deutschland respektiert zu werden,“ erklärt Leber.

Geschlossene Architektur in Frankreich

Dem in Deutschland recht offenen Zugang zu Fonds stehe in Frankreich eine Architektur gegenüber, bei der die großen Banken vor allem ihre eigenen Fonds verkaufen. Das bietet Chancen für kleinere Boutiquen, erklärt Renaud.

„Im Retail in Deutschland  gibt es eine offene Architektur: Wenn du zu deiner Commerzbank Filiale gehst, kannst du Fonds von überall kaufen. In Frankreich kannst du das vergessen. BNP hat nur BNP Fonds. Kunden können so manchmal nicht zu den großen Banken gehen, sie gehen zu IFAs. Französischen Institutionen hingegen werden, wenn sie ein Mandat von 500 Millionen haben, nie zu einer Boutique gehen, ausser vielleicht zu Carmignac, aber ist Carmignac eine Boutique ?“ weiss der der Mandarine Gestion Manager.

Der Grund hierfür sei, dass in dem Bankensystem in Frankreich die Konzentration viel schneller und stärker als in Deutschland war.

„Es ist immer noch einfach eine Boutique zu öffnen. Weil es viele Spieler und viele Boutiquen gibt, muss du aber entweder sehr gut sein und du brauchst mindestens drei Jahre um sehr gut zu sein, oder sehr kreativ sein und es gibt viele, die ihre Boutique aufmachen und entscheiden, dass der Markt auf sie wartet. Das ist sehr dumm, denn die Konkurrenz ist sehr groß,“ erklärt Renaud.

„Wir sind sehr weit entfernt von jeder Gier. Deshalb denke ich, dass der deutsche Investor sehr konservativ ist und sich fernhält von irgendeinem Risiko und von Boutiquen , und auf Sicherheit spielt,“ erklärt Leber zu der Zurückhaltung deutscher Investoren gegenüber Boutiquen.

Dagegen, erklärt der Franzose Renaud, seien französische Boutiquen im Retail sehr stark gewachsen in den Jahren in denen Equities stark geboomt haben, mit den IFAs die eher zu Boutiquen gingen.

Überregulierung

„Die deutsche Regierung ´killt´ die Bewegung der IFAs durch Überregulierung. Die IFAs haben uns aber ernährt und werden jetzt aus dem Markt gedrückt. In den letzten drei bis vier Jahren gab es nicht viele Boutiquen und ich denke der Gründungsboom ist vorbei,“ so Leber.

„Die Anforderungen in Bezug auf Technologie und Büroarbeit wachsen sehr stark. Die größten Ausgaben in den nächsten Jahren werden darin sein, dass System und die Backoffice richtig hinzubekommen.“

Auch Renaud meint, dass Regulationskosten jeden Tag wachsen.

M&A

„Wir haben sehr starke individualisierte Boutiquen mit starken Persönlichkeiten. Diese würden keine Partner akzeptieren und für skillbased  Boutiquen gilt: warum sollten sie ihre Geheimnisse teilen? Das Geld  fliesst sowieso zu ihnen. Die erste Generation der Boutiquegründer sollte übergeben. Ich habe das aber bisher in Deutschland nicht erlebt, so wie in den USA,“ meint Leber.

„Zum ersten Mal seh ich, dass diese kleine Boutiquen aufgeben und verkauft werden. Das hab ich vor fünf Jahren nicht gesehen,“ ergänzt Renaud.

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