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Asset-Manager-Stimmen: Bidens Einfluss auf Anleger, Green Bonds und die US-Außenpolitik

Drei Experten schreiben darüber, welche Sicherheiten und Unsicherheiten es in diesen Bereichen nach der Wahl gibt.

Nach einem überraschend engen Wahlausgang in den USA gibt es in den USA immer noch einige Unklarheiten. Zwar steht Joe Biden parktisch als US-Präsident fest, Donald Trump weigert sich aber das anzuerkennen. Ohne dafür Beweise zu haben, redet Trump von Wahlbetrug. Das sorgt weiter für Unsicherheiten und möglicherweise sogar für eine Verzögerung bei der Amtsübergabe.

Doch das ist nicht die Einzige Quelle von Ungewissheit nach der Wahl. Joe Biden hat selbst zu einigen Themen noch keine Stellung genommen. Außenpolitisch hatte er sich im Wahlkampf noch nicht profilieren können und auch ein Kabinett hat der President-Elect noch nicht aufgestellt.

Auf den folgenden Seiten erklären drei Experten, was jetzt von Biden zu Erwarten ist und welche Auswrikungen der neue Präsident auf verschiedene Anlager und Asset-Klassen haben könnte.

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Nach einem überraschend engen Wahlausgang in den USA gibt es in den USA immer noch einige Unklarheiten. Zwar steht Joe Biden parktisch als US-Präsident fest, Donald Trump weigert sich aber das anzuerkennen. Ohne dafür Beweise zu haben, redet Trump von Wahlbetrug. Das sorgt weiter für Unsicherheiten und möglicherweise sogar für eine Verzögerung bei der Amtsübergabe.

Doch das ist nicht die Einzige Quelle von Ungewissheit nach der Wahl. Joe Biden hat selbst zu einigen Themen noch keine Stellung genommen. Außenpolitisch hatte er sich im Wahlkampf noch nicht profilieren können und auch ein Kabinett hat der President-Elect noch nicht aufgestellt.

Auf den folgenden Seiten erklären drei Experten, was jetzt von Biden zu Erwarten ist und welche Auswrikungen der neue Präsident auf verschiedene Anlager und Asset-Klassen haben könnte.

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Stefan Kreuzkamp, DWS

Chefanlagestratege

Joe Biden wird am 20. Januar 2021 als 46. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt werden. Angesichts der jüngsten Entwicklungen lässt sich dieser Satz wohl zunehmend ohne einschränkende Nebenbedingungen sagen. Bidens Vorsprung ist unter normalen Umständen nicht einholbar,  ausländische Staats- und Regierungschefs gratulieren bereits zum Sieg, ebenso erste Repräsentanten der Republikanischen Partei. Die Chancen, das Ergebnis noch auf rechtlichem Wege zu drehen, scheinen gering. Es dürfte Trumps Team schwerfallen, genügend Mittel aufzutreiben, um die zahlreichen kostspieligen Anfechtungsprozesse zu stemmen.

So sicher der Ausgang der Präsidentenwahl, so unsicher bleibt das Resultat der Senatswahlen. Wir gehen weiter von einer republikanischen Mehrheit aus, doch könnte allein die wahrscheinliche Nachwahl des Senators (oder der Senatoren) aus Georgia am 5. Januar hier noch für Überraschungen sorgen.

Diese Überraschung träfe auch die Kapitalmärkte. Verständlicherweise machen sich Anleger nach einer vielbeachteten Weichenstellung wie den US-Wahlen Gedanken über Implikationen für ihre Portfolios. Wir würden davon abraten, langfristige Investitionen auf die Ergebnisse und Geschehnisse im unmittelbaren Umfeld einer Wahl zu stützen, aus folgenden drei Gründen: 1. Unsicherheit über die künftige Politik. 2. Unsicherheit über die Auswirkungen der Politik auf Wirtschafts- und Unternehmensaussichten. 3. Unsicherheit darüber, was der Markt davon bereits eingepreist hat.

Zu Punkt 1: Auch nach dem – offiziell noch unbestätigten - Wahlsiegs Joe Bidens bleibt vieles in der Schwebe: Wie wird sein Kabinett aussehen? Auf welche Parteiflügel wird er wie stark Rücksicht nehmen werden? Welche Prioritäten und Umsetzungschancen haben seine Vorhaben? Wer wird die Senatsmehrheit gewinnen? Ist eine „blue wave”, also das Durchregieren der Demokraten, noch möglich? Das sind eine Menge Fragezeichen. Zwar hat Biden seine vier Kernthemen bereits genannt (Covid-19, Belebung der Wirtschaft, Klimawandel und Gleichstellung der Rassen), doch welche wirtschaftsrelevante Konsequenzen sich daraus ergeben, muss sich erst noch zeigen.

Punkt 2: Inwieweit beeinflussen politische Prioritäten überhaupt wirtschaftliche Kernzahlen? Wirkt sich, auf der makroökonomischen Ebene, ein massives Stimulusprogramm positiv auf den Dollar aus, da sich die Wachstumsaussichten verbessern? Oder negativ, da die höhere Staatsverschuldung im Vordergrund steht? Und auf mikroökonomischer Ebene stellt sich die Frage, inwieweit sich die Ertragsaussichten einzelner Sektoren durch politische Bevorzugung überhaupt verbessern. Nehmen wir beispielsweise die letzte Wahl. Die 2016 von Trump favorisierten Sektoren Stahl, Öl, Kohle oder Hotels und Immobilien haben sich sogar überwiegend schlechter als die Gesamtwirtschaft geschlagen. Letztlich sind politische Rahmenbedingungen nur ein Faktor von vielen, welche die Wirtschaftsperspektiven einer Branche determinieren, vielleicht ein kleinerer als man denkt.

Was uns zu Punkt 3 bringt: Wenn die Politik nur einer von vielen Faktoren für die Gewinnaussichten ist, dann gilt die erst recht für die Bewertung an der Börse. Trumps Unterstützung der Ölwirtschaft etwa hat dieser angesichts globaler Überkapazitäten wenig geholfen. Dazu gesellen sich die Unsicherheiten rund um eine Wahl: Inwieweit hatte die Börse einen Sieg Bidens und eine geteilte Regierung bereits eingepreist? Allein der volatile Handel im Umfeld der Wahl lässt da viel Interpretationsspielraum. Galt vielen ein enger, angreifbarer Wahlausgang bis vor kurzem noch als schlechtestes Szenario für die Börse, drehte sich dies im Handumdrehen in ein Idealszenario: Ein gemäßigter demokratischer Präsident, den ein republikanischer Senat in die Schranken weist, sollte er die Verschuldung allzu stark ausweiten oder die Trump’schen Steuerkürzungen rückgängig machen.

Dies unterstreicht unseres Erachtens die Empfehlung, längerfristige Anlageentscheidungen nicht allein auf Basis politischer Erwägungen zu treffen. Zumal wenn der politische Ausblick noch so vage ist. Ohnehin überwiegen marktbestimmende Faktoren, auf welche die Regierung nur wenig Einfluss hat: kurzfristig der weitere Verlauf der Pandemie, wie auch die stark kurstreibende Nachricht zum Impfstoff am Montag zeigte. Und mittelfristig die Zentralbankpolitik. Letztere dürfte, nicht nur in den USA, auch weiterhin versuchen, die Märkte mit niedrigen Zinsen und gegebenenfalls anderen Mitteln zu unterstützen. Allerdings wird die Börse schwerlich von beiden Seiten Unterstützung bekommen können, da die Zentralbanken ihre Unterstützung abhängig vom Fortschritt bei der Pandemiebekämpfung machen werden.

Auf Zwölfmonatssicht bleiben wir somit vorerst weiterhin moderat positiv auf die Aktienmärkte gestimmt, rechnen mit einem Fortbestand des Niedrigzinsumfelds und sehen keine nachhaltige Dollarabschwächung gegenüber dem Euro.

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Eckhard Schulte, MainSky

Fondsmanager des MainSky Active Green Bond Fund

Die Klimapolitik der USA hat unter der Präsidentschaft Biden die Chance auf einen echten Neuanfang. Was mit der Rückkehr der USA ins Pariser Klimaabkommen beginnt, soll bis 2050 mit einer komplett klimaneutralen US-Wirtschaft enden. Joe Bidens ambitionierte Ziele für den Klimaschutz könnten einen beispiellosen Boom für ESG-Investitionen einläuten und damit auch das Wachstum des Marktes für Green Bonds beschleunigen. Wir erwarten, dass die USA als großer Emittent in den Green-Bond-Markt einsteigt, eine erste grüne Emission von US-Staatsanleihen sollte nur eine Frage der Zeit sein. Die Offensive sollte sich an der EU-Taxonomie orientieren, was im Ergebnis zu einer zunehmenden Standardisierung dieses Marktes führt. Da dies wiederum andere Regionen und Regierungen auf der ganzen Welt dazu veranlassen dürfte, dem Standard zu folgen, sollte die damit einhergehende weiter steigende Investorenakzeptanz zu einer massiven Beschleunigung des Marktwachstums für Grüne Anleihen führen. Joe Biden hat ein ehrgeiziges Ziel: Er will für die USA bis 2050 eine einhundertprozentige Versorgung mit sauberer Energie erreichen und die Nettoemissionen auf null senken. Die künftige demokratisch geführte Regierung wird in einem ersten Schritt nicht nur dem Pariser Klimaabkommen wieder beitreten, sondern will in den kommenden vier Jahren auch in die Klimabeständigkeit und die Infrastruktur für saubere Energien investieren. Insgesamt belaufen sich Bidens Vorschläge für Klima- und Umweltschutz auf staatliche Investitionen in Höhe von $1,7 Billionen  in den nächsten zehn Jahren. Zusätzlich könnten der private Sektor, die einzelnen Bundesstaaten und die Kommunen Gelder in Höhe von insgesamt mehr als $5 Billionen in diesen Bereich investieren. Dies bietet den USA die entscheidende Gelegenheit als Emittent in den Markt für Green Bonds einzusteigen. Derzeit sind die USA im globalen Green-Bond-Markt mit einem rund zehnprozentigen Anteil der ausstehenden Emissionen deutlich unterrepräsentiert. Unter Trump hat der Markt kaum eine Rolle gespielt, nachdem die USA in den ersten Jahren der Entwicklung dieses Marktes noch eine aktivere Rolle übernommen hatten.

In 2015 wurde noch rund ein Drittel von US-Emittenten emittiert, was ungefähr dem Anteil der europäischen Emittenten entsprach. In den letzten Jahren ist der Markt allerdings immer „europäischer“ geworden, im laufenden Jahr kamen 60% der Emissionen und 50% des ausstehenden Volumens aus Europa. Nach der Entscheidung der Europäischen Union im Frühjahr, rund ein Drittel des €750 Milliarden schweren Recovery-Fonds in den nächsten Jahren durch Green Bonds zu emittieren, drohte der Markt noch „europäischer“ zu werden. Mit einer stärkeren Rolle der USA dürfte sich der Markt für Green Bonds nun deutlich ausgeglichener entwickeln und dabei massiv wachsen. Denn sollten die USA nur 2% der Neuemissionen am Bondmarkt über Green Bonds emittieren, wären das allein rund $50 Milliarden pro Jahr. Wenn man bedenkt, dass in diesem Jahr bis Ende September bislang $220 Milliarden durch Green Bonds emittiert wurden, sieht man, welchen Schub der Markt so erfahren kann.

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Sébastien Galy, Nordea Asset Management

Senior-Makrostratege

Mit der Einrichtung eines Beratungsausschusses für öffentliche Gesundheit hat Biden einen wichtigen Schritt zum Neustart der US-Wirtschaft unternommen. Er plant auch, den Austritt der USA aus der Weltgesundheitsorganisation rückgängig zu machen. Im Rahmen seiner „Build, Back, Better“-Initiative plant er, die Infrastruktur des Landes mit rund $700 Milliarden zu fördern und „den amerikanischen Einfallsreichtum für den Aufbau einer modernen Infrastruktur und einer gerechten, sauberen Energiezukunft zu mobilisieren“. Diese Mittel werden sich wahrscheinlich auf bestehende Infrastruktur wie Brücken und Rechenzentren sowie Dekarbonisierung und erneuerbare Energien konzentrieren. Ein weiteres Paket in Höhe von $2 Billionen US-Dollar, das für eine „Revolution für saubere Luft“ vorgesehen ist, zielt darauf ab, die Wirtschaft bis höchstens 2050 netto emissionsfrei zu machen.

Wiederbelebung von US-Allianzen

Die internationalen Diplomatiebemühungen der USA sind unter Präsident Trump schwer erschüttert worden. Biden wird daran arbeiten dies umzukehren, indem er die Beziehungen zur NATO repariert, dem Pariser Klimaabkommen wieder beitritt und die Beziehungen zu China stärkt. 

An der Heimatfront plant Biden eine Zwei-Parteien-Kommission, die das Justizwesen überprüfen und zu weniger Inhaftierungen ermutigen soll. Er hat schon früher Parteigrenzen überschritten und angedeutet, dass er mit dem Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, zusammenarbeiten wird, um Ergebnisse zu erzielen.

Der entscheidende Punkt aus europäischer Sicht ist, dass wieder mehr Normalität in die transatlantischen Beziehungen einkehren dürfte.

Was bedeutet das für Investoren?

Der Regierungswechsel dürfte sich positiv auf Investments in chinesische Aktien und festverzinsliche Wertpapiere auswirken, da ein Großteil der Ungewissheit verschwindet und der Renminbi tendenziell aufwerten dürfte. Allerdings dürfte der neu gewählte Präsident sich auch recht sensibel gegenüber den 70 Millionen Wählern zeigen, die Trump bevorzugten. Dies lässt vermuten, dass sich der Druck auf China und in geringerem Maße auch auf Russland künftig verstärken könnte, wenn auch nicht mit einem Tweet nach dem anderen. Da der Renminbi extrem schwach ist, stehen die Chancen gut, dass China ihn aufwerten lässt, um koordinierte Vergeltungsmaßnahmen zu vermeiden.

Wir konzentrieren uns nach wie vor auf einen von China angeführten wirtschaftlichen Aufschwung, der sich auf den asiatisch-pazifischen Raum ausbreiten dürfte und der auf der aufstrebenden Mittelschicht und dem IT-Sektor in der Region fußt. Darüber hinaus dürfte sich der Wechsel im Weißen Haus auch sehr positiv auf neue Energien und aufkommende Technologien auswirken, die durch Initiativen in den USA und der EU unterstützt werden. Wir sind uns jedoch auch bewusst, dass einige der genannten fiskalischen Maßnahmen mit einem republikanischen Senat nur schwer durchsetzbar sein werden.

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