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Banken, Airlines und IT: Geheimtipps von Alken-Gründer Walewski

Banken, Airlines und IT: Geheimtipps von Alken-Gründer Walewski

Wer in den europäischen Aktienmarkt investieren will, der kommt an Nicolas Walewski nicht vorbei. Der Fondsmanager von Alken Asset Management hat sich gekonnt durch die europä­ischen Aktienmärkte navigiert, die turbulente Zeiten hinter sich haben, und konnte dabei mit seinem Fonds Erfolge verbuchen. Zu seinem Höhenflug beigetragen haben vor allem billig bewertete Aktien, die Walewski bevorzugt in Europa sucht.

Für den Alken European Opportunities-Fonds, aufgelegt im Jahr 2006, ist Walewskis Universum hauptsächlich europäisch. Europa als Investmentschwerpunkt war in den letzten Jahren ein guter Bereich, um im Aktienmarkt Erfolg zu haben. Schließlich konnten sich Anleger immer auf die Hilfe der europäischen Zentralbank verlassen, die durch vehemente geldlockernde Maßnahmen und dem Quantitative-Easing-Programm für eine hohe Liquidität am Markt sorgte - wenn auch keine „natürliche“ Liquidität. So stieg beispielsweise der DAX über die letzten drei Jahre um 76% an. Ein einfaches Investment also? Nein, sagt Walewski, Gründer von Alken Asset Management.

„Die Märkte haben über die letzten Jahre ordentlich zugelegt, mussten zwischenzeitlich aber signifikante Rückschläge verkraften. Wir versuchen, immer in die Aktien zu investieren, bei denen wir das beste Potential sehen – unabhängig von der generellen Markt­einschätzung“, so Walewski, der den Fonds seit 2006 verwaltet.

IT-Bereich deutlich übergewichtet

Gerade in den letzten Jahren fand der Stock-Picking-Experte dieses Potential im Technologiesektor. Abstand hat Walewski wiederum vom Öl-und Gasbereich, der Bergbauindustrie, Energie­werten und Investitionsgütern genommen. Der Ausblick sei hier nicht besonders gut, was sich auf den niedrigen Ölpreis zurückführen lasse.

Im rund €6,5 Milliarden schweren Fonds lag das Exposure im IT-Bereich zum Ende Mai 2015 bei knapp 25%. Damit ist der Fonds gegenüber seiner Benchmark, dem STOXX Europe 600 Net Return EUR deutlich übergewichtet. Unter Walewskis Favoriten befindet sich unter anderen das Münchner Unternehmen Wirecard, welches Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr anbietet und somit ein kleiner aber feiner Konkurrent des von Elon Musk gegrün­deten Zahlungsriesen PayPal ist.

„Wirecard ist ein global führendes Unternehmen für Payment-Systeme. Die Firma hat ein organisches Wachstum von 20% pro Monat, was ein phänomenaler Wert ist. Auch der Ausblick ist positiv, da sich der Zahlungsverkehr zunehmend auf dem Smartphone abspielen wird“, so Walewski.

Kürzlich gab die Aktie etwas an der zuletzt guten Performance ab und durchlief eine Schwächephase. Das lasse sich auf Gerüchte über Betrug zurückführen, diese seien jedoch nicht fundiert und wären kein Grund, die Einstellung gegenüber dem Unternehmen zu ändern, findet der Fondsmanager.

187% Gesamtertrag in zehn Jahren

Ebenfalls schon seit längerer Zeit positiv gestimmt ist Walewski gegenüber dem niederländischen Unternehmen ASML. Es ist der weltweit größte Anbieter von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie. Die Firma habe eine hohe Transparenz und verkaufe ein Produkt, das ein essentieller Bestandteil in dieser Industrie bleibe und zu dem es wenig Alternativen gebe.

Über die letzten zehn Jahre befindet sich Walewski auf dem zweiten Platz im Citywire-Sektor für europäische Aktien. Auch sein Gesamtertrag ist überzeugend. Über drei Jahre schaffte Walewski rund 84% mit dem Alken European Opportunities-Fonds. Über einen zehnjährigen Zeitraum waren es sogar 187%, was ihm den dritten Platz in diesem Sektor einbringt.

Walewski managt ebenfalls den Absolute Return Europe- und den Small Cap Europe-Fonds für Alken Asset Management.

Die billigste Aktie in Europa

Der europäische Bankensektor sei derzeit einer der preiswerteren Bereiche in Europa und habe das Potential große Dividenden auszuschütten. Wenn man an die Erholung der Wirtschaft in Europa glaubt, dann mache es Sinn, hier investiert zu sein, so Walewski.

Investmentbanken hätten zwar größere Probleme und einige, so wie die Deutsche Bank und HSBC, gerieten zuletzt unter enormen Druck, doch was Privatbanken möglicherweise so attraktiv machen könnte, ist deren direktes Exposure zu kleinen und mittelständi­schen Unternehmen.

„Für kleine und mittelständische Unternehmen und deren Kunden hellt sich die Lage in Europa zunehmend auf. Davon profitieren die Privatbanken, da sich der Kreditzyklus in die richtige Richtung bewegt und sich die Gewinnmargen erhöhen“, sagt Walewski.

Italienische Traditionsbank als Geheimtipp

Aus diesem Grund könne man im Bankensektor ein Re-Rating beobachten. Der Sektor sei zwar immer noch durch eine Vielzahl von Wertberichtigungen auf Kredite bestimmt, jedoch könnten sich diese bald stark verringern. Dann würden auch die Regulierungen abnehmen und das würde sich positiv auf die Gewinne der Banken auswirken. Wenn sich dieser Zyklus jedoch nicht so entwickeln sollte, mahnt Walewski, dann könnte das natürlich zu Enttäuschun­gen führen. Doch Walewski glaubt fest an den Trend und nennt die „billigste Aktie in Europa“ als ein Beispiel in Italien.

Die 1472 gegründete Traditionsbank Monte Dei Paschi Di Siena ist eines der größten Kreditinstitute Italiens und befindet sich zu rund 52% in Streubesitz. Auch der französische Versicherungs­konzern AXA, sowie JPMorgan Chase gehören zu den Anteilseignern der Bank.

Zwar sei dieses Investment in diesen Jahr nicht besonders gut gelaufen, jedoch liege das daran, dass die Bank eine Kapitalerhöhung durchführe. Hier gäbe es ein „technisches Problem“, da die meisten Aktien nicht im Besitz von institutionellen Investoren, sondern von Privatinvestoren seien. Dadurch sei die Aktie in der letzten Zeit etwas unter Druck geraten und habe fast 25% an Wert verloren.

„Das macht diesen Titel in Sachen Kurs-Buchwert zu der billigsten Aktie in Europa. Wir sind aber der Meinung, dass der Bilanzwert gesäubert und das Kreditportfolio überprüft wurde und glauben, dass dieser Titel von einer Vielzahl positiver Faktoren profitieren kann.“

Einer dieser Faktoren sei ein andauernder Rechtsstreit mit der japanischen Bank Nomura. Das habe der Markt bei dem Titel noch nicht eingepreist und es gehe immerhin um €400 Millionen bis €500 Millionen.

Sollte man also in die billigste Aktie Europas investieren? „Es ist ein gutes Investment, wenn man an die Reformen von Renzi und den Aufschwung der italienischen Wirtschaft glaubt“, sagt Walewski.

Das Exposure in Finanzwerten im Fonds liegt zum Ende Mai bei rund 11,5%, im Vergleich zu knapp 25% in der Benchmark. Dieses Exposure würde Walewski noch weiter erhöhen, wenn sich auch das Vertrauen in den Kreditzyklus erhöht.

„Insgesamt sind Banken immer noch sehr bürokratische Mecha­nismen. Auch wenn wir zunehmend positiver werden, muss man beim Stock-Picking in diesem Bereich stark differenzieren.“

Hoch fliegen – wenig bezahlen

Wenn man die Möglichkeit hat, mit einem der erfahrensten Stock-Pickern in der Industrie zu sprechen, sollte man natürlich auch die Frage nach den „besten“ Aktien im Portfolio stellen.

Hier nennt Walewski seine Top fünf Positionen im Alken European Opportunities-Fonds, der zum Ende Mai insgesamt 67 Titel beinhaltet.

„Der französische Autozulieferer Valeo gehört zu den Aktien, die uns gefallen. Das Unternehmen hat einen sehr starken Auftrags­überhang, einen steigenden Marktanteil und ist bei alledem sogar noch preiswert.“

Des Weiteren nennt Walewski die in den USA ansässigen Unter­nehmen Seagate Technology und Western Digital, die zusammen über 12% des gesamten Fondsvermögens ausmachen. Diese hätten ihren Profit vor einiger Zeit noch mit dem Verkauf von Festplatten an die großen Computer-Bauer gemacht, müssten sich aber nun an neue Märkte gewöhnen und anpassen.

Billigfluggesellschaft als „beste Airline in Europa“

„Die Verkäufe dieser Unternehmen werden in der Zukunft vom Cloud-Computing bestimmt sein. Jedes große Unternehmen wird eine Cloud für die Datenspeicherung benötigen. Nicht nur Amazon und Facebook, sondern auch Firmen wir Goldman Sachs und Credit Suisse“, so Walewski.

Als vierten Titel nennt der Fondsmanager den französischen Autobauer Peugeot. Das Unternehmen habe eine „fantastische Restrukturierung“ hinter sich und ein direktes Exposure zum Wiederaufleben des europäischen Automarkts. Die Position macht rund 5,4% im Fonds aus.

Ebenfalls unter den Top fünf Positionen findet man die Airline Ryanair, die „beste Airline in Europa“, sagt Walewski. Die Flug­gesellschaft könne im europäischen Markt immer mehr Anteile ergattern und die Aktie sei preiswert.

„In den letzten drei Monaten litt die Performance der Aktie etwas unter der Erhöhung des Ölpreises und dem stärkeren Dollar. Doch insgesamt hat das Unternehmen die niedrigsten Kosten im Vergleich zu jeder anderen Airline und man zahlt nur 15x KGV für die Aktie,“ so Walewski.

Der Ausblick für Europa

Was viele Fondsmanager, die im europäischen Aktienmarkt investiert sind, derzeit beschäftigt, ist die Frage, was passiert, wenn der Euro seine Schwächephase beendet und sogar wieder stärker wird. Könnte das gar die Outperformance europäischer Aktien abrupt stoppen und die Region als Investmentplatz deutlich weniger attraktiv machen? Das sei nur ein Element, sagt Walewski. Man müsse es jedoch ernst nehmen.

„Der niedrige Euro hat in der letzten Zeit definitiv geholfen, ist aber nur ein Element von vielen. Den niedrigen Ölpreis darf man auch nicht vergessen. Das wird für Europa im Vergleich zu den USA ein Vorteil im Wettbewerb sein“, so Walewski.

Ein Thema, das den Markt noch mehr bestimmt, ist die Krise in Griechenland. Zwar sieht sich Walewski als reiner Stock-Picker davon wenig beeinflusst, jedoch erwartet der Fondsmanager ein „Chaos“, falls Griechenland tatsächlich die Eurozone verlassen sollte.

Normalerweise, wenn ein Land zahlungsunfähig ist und sich massiv abwertet, gibt es einen Wiederaufschwung, wie man das in Europa schon bei Italien oder Spanien beobachten konnte.

„Ich glaube, die Märkte und der Euro würden stark fallen, zumin­dest kurzfristig. Das könnte mit Sicherheit Opportunitäten zum Kauf bieten. Für Griechenland wäre das Chaos deutlich größer und es ist nicht sicher, ob sie ein solches Szenario bewältigen könnten.“

Würde Walewski also derzeit in Griechenland investieren und gibt es möglicherweise sogar gute Chancen dort? „Das wäre, wie wenn man russisches Roulette spielt. Griechenland ist für mich derzeit nicht investierbar.“

LEBENSLAUF NICOLAS WALEWSKI

Nicolas Walewski begann seine Investmentkarriere im Jahr 1993 als Portfoliomanager für Devisenoptionen bei Credit Lyonnais in Paris. Sein Studium absolvierte Walewski an der Ecole Polytechnique, seinen Master machte er am National College of Statistics and Economics (ENSAE), ebenfalls in Paris. Bevor Walewski im Juli 2005 Alken Asset Manage¬ment gründete, war er als Fondsmanager für den Oyster European Opportunities Fund bei Banque Syz in London tätig. Diesen managte er von 1999 bis 2005. Seitdem ist Walewski der Portfoliomanager für den Alken European Opportunities Fund, den Alken Absolute Return Europe, den Alken Small Caps Europe und den Alken Capital One Fund.

    Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Juli/August-Ausgabe von Citywire Deutschland.

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