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Berliner Vermögensverwalter Timon Heinrich über jüngste Frankfurt-Absichten

Berliner Vermögensverwalter Timon Heinrich über jüngste Frankfurt-Absichten

Wenn Timon Heinrich die Vermögensverwalterszene in Berlin mit der aus München oder Frankfurt vergleicht, zitiert er Berlins ehema­ligen Bürgermeister Klaus Wowereit: „Berlin ist arm, aber sexy.“

Am Anfang sei die von ihm zusammen mit zwei ehemaligen Kollegen bei der Deutschen Bank, Peter-Detlef Hansen und Andreas Heinrich, 2001 gegründete Vermögensverwaltung etwas „Exotisches“ gewesen. Heute zählt die Firma zu den größten Vermögensverwaltern in Berlin und plant, ein weiteres Büro in Frankfurt zu eröffnen.

„Als wir angefangen haben, gab es keine Kultur der Vermögens­verwaltung und wir mussten erst erklären, was ein Vermögensver­walter wirklich macht. Wir sind auch heute noch einer der wenigen unabhängigen Vermögensverwalter in Berlin“, erklärt Heinrich.

Heute besteht die Hansen & Heinrich Unternehmensgruppe aus 23 Mitarbeitern, die für liquides Mandantenvermögen in einer Gesamthöhe von €200 Millionen und Immobilienvermögen von über €50 Millionen zuständig sind.

Die Mehrheit sind mit fast 90% der Mandanten Privatkunden, die durchschnittlich mehr als €250.000 anlegen wollen. Die übrigen 10% sind gemeinnützige Institutionen, insbesondere Stiftungen. Auch heute würde die Mehrheit der Kunden aus dem westlichen Teil Berlins kommen.

„Es gibt nicht so viele alte mittelständische Betriebe in Berlin wie in Frankfurt oder München. Da sah und sieht heute noch die Kundschaft ganz anders aus.“

Mit der Gründung der Tochtergesellschaft Hansen & Heinrich Immobilienservice im Jahr 2011 habe man die Einzigartigkeit der Vemögensstruktur in Berlin zum Vorteil gebracht.

„Wir haben gemerkt, dass die wohlhabendsten Familien in Berlin überwiegend Immobilien besitzen. Es gibt Erbfälle, bei denen Kinder ganze Mietshäuser erben. Da übernehmen wir dann gerne nicht nur das Depot, sondern auch die Verwaltung eines solchen Mietshauses.“

In den letzten Jahren hat sich einiges getan. Heute betreut die Tochtergesellschaft ungefähr 500 Wohneinheiten im Berliner Umkreis für ihre Kunden und gehört zu dem gesamten Package des „Family Office“-Konzepts, so Heinrich.

Mit der Frankfurter Büroeröffnung, geplant für das kommende Jahr, möchte man die einzigartigen Investmentopportunitäten in Berlin in den Süden bringen.

„Im kommenden Jahr werden wir ein Büro in Frankfurt eröffnen. Dabei möchten wir auch unser „Family Office“-Modell in Frankfurt aufbauen. Natürlich wäre dabei unser Markenzeichen, dass wir beispielsweise Kunden aus Frankfurt Investmentmöglichkeiten im Berliner Immobilienbereich anbieten könnten.

„Bei unserer Arbeitsweise ist der persönliche Kontakt sehr wichtig, es kommt eben nicht nur auf eine gute Performance, sondern auch auf die Pflege der zwischenmenschlichen Beziehungen an. Auch möchten wir künftig verstärkt die beiden von uns gemanagten Fonds anderen professionellen Marktteilnehmern anbieten. Dafür erscheint es uns hilfreich, direkt in Frankfurt aktiv zu werden.“

Unternehmensentwicklung

  • 2001: Gründung Hansen & Heinrich AG durch Peter-Detlef Hansen, Andreas Heinrich, Timon Heinrich und Hans G. Kloß
  • 2002: Amtliche Erlaubnis zur Erbringung von Finanzdienstleistungen gemäß §32 Abs. 1 KWG durch die BaFin
  • 2004: Gründung der Tochtergesellschaft für Vorsorgeberatung „Hansen & Heinrich Vorsorgeberatung GmbH“
  • 2005: Lizenzerweiterung auf Finanzportfolioverwaltung durch die BaFin
  • 2007: Auflegung des „H&H Universal“ und des „Strategie H&H“
  • 2010: Die klassische Vermögensverwaltung wird durch Spezialberatung im Rahmen eines Privatsekretariats ergänzt
  • 2011: Zehnjähriges Firmenjubiläum, Gründung der Tochtergesellschaft für Immobilienservice: „Hansen & Heinrich Immobilienservice GmbH“
  • 2014: Einführung der „Ebase Managed Depots“

Von Betreuung zu Vertrauen

Geschäftsführer seiner eigenen Firma war nie wirklich sein Ziel gewe­sen, so Heinrich. Sein Jugendtraum, Vorstand der Deutschen Bank zu werden, nahm ihn in eine leicht andere Richtung. Im Alter von zwan­zig Jahren hatte er ein duales Studium bei der Großbank begonnen und war später als Berater auf die Vermögensanlage für Unternehmen spezialisiert. Erst als es 2000 zu der Bekanntgabe und dann dem Scheitern der Megafusion zwischen Deutscher und Dresdner Bank kam, hat sich Heinrich von seinem Jugendtraum verabschiedet.

„Ich habe mich mit dieser Großbank-Mentalität eigentlich sehr wohlgefühlt. Als ich aber den Kunden berichten musste, dass ihr Vermögen durch die Fusion auf eine andere Weise betreut werden sollte, es dann doch nicht dazu kam und alles weiterging wie bisher, vermisste ich die eigene Entscheidungskraft und Verantwortung gegenüber meinen Kunden. Erst dann habe ich angefangen zu planen.“

Nach vierzehn Jahren Kundenbetreuung sei es der Firma auch gelungen, die komplette Umstellung von Beratung auf Vermögens­verwaltung fortzusetzen. Aus den ursprünglich fast 500 Anlagebe­ratungskunden sind nur fünf Mandanten übrig geblieben, die noch nicht zum Vermögensverwaltungsmodell gewechselt sind.

„Worauf ich sehr stolz bin, ist, dass fast alle Kunden, die wir in der Vermögensberatung betreut haben, sich für unsere Vermö­gensverwaltung entschieden haben. Bis Ende des Jahres wollen wir alle Kunden vom Vermögensverwaltungsmodell überzeugt haben.“

Ab €500.000 wird dem Kunden angeboten, ein persönliches Portfolio zu erstellen. Für die Kunden mit mindestens €25.000 Vermögen habe man bei der Plattform ebase drei sogenannte „Managed Depots“ erstellt, die eine offensive, eine defensive und eine ausgewogene Strategie anbieten.

„Was ich bei der Deutschen Bank gelernt habe, ist, dass man niemanden wegschicken sollte. Ich denke da an die katastrophale Außenwirkung bei der Einführung der Bank 24“, so Heinrich und nimmt Bezug auf die Betriebsaufspaltung zwischen der Bank 24 AG und der Deutschen Bank.

„Deswegen haben wir auch die drei Depots erstellt, sodass Kunden, die nicht unter das „Family Office“-Modell fallen, weiterhin versorgt sind. Sie bekommen immer noch eine gründliche Bera­tung – wir schränken lediglich die persönlichen Treffen und unseren administrativen Aufwand ein.“

Zudem verwaltet die Firma zwei Fonds, den Strategie H&H Fonds, ein ausgewogener Mischfonds mit €15,7 Millionen an Assets, und den Hansen&Heinrich Universal Fonds, mit einem Volumen von €10,1 Milli­onen, der über Stillhaltergeschäfte in europäische Blue Chips anlegt.

Darüber hinaus wird bei der letzteren Strategie angestrebt, durch Put-Optionen zusätzliche Prämien zu vereinnahmen.

Aktiven Ansatz

Es sind etwa 35% des gesamten Portfolios in Drittfonds angelegt, doch überwiegend investiert der Vermögensverwalter in Einzeltitel, sowohl auf der Anleihe- als auch auf der Aktienseite.

Da Wert darauf gelegt wird, aktiv anzulegen, kann es sein, dass man kurzfristig Fonds oder ETFs kauft, um von einem bestimmten Trend zu profitieren.

So hat man beispielsweise in den 4Q-Smart Power Fonds, der in Aktien mit Bezug zu erneuerbaren Energien investiert, nach Fukushima im Jahr 2011 aufgrund der mäßigen Entwicklung bereits Ende 2012 verkauft.

„Wir setzten auch gerne ETFs ein, um kurzfristig von einem Trend zu profitieren. Da setzen wir momentan Dividenden ETFs wie den Ishares Global Select Dividend 100 ein, der in Aktien weltweit investiert, oder haben kurzfristig den US Fed Funds Rate ins Portfolio genommen.“

Einen Anteil in Gold würde man durch den von Nico Baumbach gemanagten HANSAgold Euro-Klasse und den C.S.-NYSE Arca Gold Bugs ETF einsetzen.

Auf der Rentenseite, wo es angesichts niedriger Zinsen immer schwieriger wird, gute Renditen zu erzielen, sei man überwiegend im Fremdwährungsbereich aktiv.

„Den KBC Bonds High Invest wird von uns seit Anfang 2014 eingesetzt. Der Fonds investiert in Fremdwährungsanleihen bester Bonität weltweit“, so Heinrich.

Andere aktive Fonds, die zu nennen wären, wäre der Acatis Gane Vale Event Fonds, ein renommierter Mischfonds von Henrik Muhle und Uwe Rathausky, der auf Event-Driven-Strategien setzt und seit 2011 für das Portfolio gekauft wird, sowie der Bellevue BB Entrepreneur Europe, der darauf fokussiert ist, in Aktien inhabergeführter Unternehmen zu investieren und 2010 ursprünglich ins Portfolio aufgenommen wurde.

Wichtig sei es als Vermögensverwalter, gerade im Stiftungs­bereich, eine besondere Expertise anbieten zu können. Seit 2002 setzt man gedeckte Stillhalter-Positionen für die gemanagten Fonds sowie auch für Privat- und Stiftungsmandate ein.

„Wir verkaufen gedeckte Put-Optionen, um Optionsprämien ein­zunehmen, wenn wir von einer Aktie grundsätzlich überzeugt sind, aber das aktuelle Kursniveau für etwas zu hoch halten“, so Heinrich.

So habe man beispielsweise bei BASF, als die Aktie im letzten Jahr bei 74 Euro stand, Puts mit Basispreis 70 verkauft. Nachdem der Preis wieder gestiegen war, hat man Calls mit Basispreis 74 und höher verkauft.

„Wir sehen es letztendlich als einen zusätzlichen Weg, am Akti­enmarkt in den nächsten Jahren überdurchschnittlich zu verdienen und die Performanceschwankungen zu mildern“, so Heinrich.

Für die nächsten Jahre rechnet Heinrich damit, dass die Firma immer mehr dem amerikanischen Modell des „Family Office“- Modells annähern werden. Frankfurt und Berlin unter einem Dach und mit einer intensiveren Kundenbetreuung.

„Mit Standorten sowohl in Frankfurt als auch in Berlin sind wir dann bestens dafür aufgestellt, um unseren bestehenden Mandanten einen inhaltlichen Zusatznutzen zu stiften und uns gleichzeitig ein neues Marktgebiet zu erschließen.“

Timon Heinrich, Hansen & Heinrich

  • Seit 2011 Geschäftsführer der Hansen & Heinrich Immobilienservice GmbH
  • Seit 2001: Vorstand und Gründungsaktionär der Hansen & Heinrich AG sowie seit 2004 Geschäftsführer der Hansen & Heinrich Vorsorgeberatung GmbH
  • 2000 bis 2010: Dozenten- und Prüfertätigkeit an der Berufsakademie Berlin im Fachbereich Bank und Versicherung, Schwerpunkt Börsen und Wertpapiere
  • 25. August 1998- 31. Dezember 2000: Stationen in Frankfurt/M., Leipzig und Berlin. Eigenverantwortliche Beratung von Unternehmen und Unternehmern zu den Themen Liquiditätsmanagement, Vermögensanlage, Finanzplanung und betrieblicher Altersvorsorge sowie Durchführung von Fachvorträgen Übernahme durch die Deutsche Bank AG in ein unbefristetes Anstellungsverhältnis als Berater im Geschäftsbereich Private Banking, Spezialabteilung Vermögensanlage für Unternehmen bis zum freiwilligen Ausscheiden
  • 24. August 1998: Abschluss der Ausbildung und des Studiums mit Bestehen der Prüfung zum Dipl.- Betriebswirt (BA)und der Prüfung zum Ausbilder gemäß AEVO
  • ab 1. September 1995: Duales Studium: Ausbildungsvertrag mit der Deutschen Bank AG und gleichzeitiges Studium der Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Bankbetriebslehre an der Berufsakademie Berlin
Dieser Artikel erschien ursprünglich in der März-Ausgabe von Citywire Deutschland.

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