Citywire - Für professionelle Investoren

Melden Sie sich an um unbeschränkten Zugriff zur Fondsmanager-Datenbank von Citywire zu bekommen. Die Anmeldung ist kostenlos und dauert nur wenige Minuten.

Bluebays Dowding: „EZB-Zinserhöhung erst 2020 in Sicht“:

Bluebays Dowding: „EZB-Zinserhöhung erst 2020 in Sicht“:

Für den in London ansässigen Anleihemanager Mark Dowding von BlueBay Asset Management liegt ein Zinsanstieg in Europa in weiter Ferne. Gerne aber gibt er eine konkrete Prognose dazu: Das Jahr 2020 sollten Investoren im Auge behalten. Die Inflation im Euroraum sei momentan zu niedrig, um eine Kehrtwende in der lockeren Geldpolitik der Euroländer-Notenbank zu erwarten.

Am kommenden Donnerstag wird die EZB in ihrer monatlichen Pressekonferenz Auskunft über ihre aktuelle Aussicht geben. Der Konsens unter Markteilnehmern lautet, dass die EZB ihr Anleihekauf-Programm fortsetzt und das Volumen sogar erweitert.

Ausweitung des Anleihekaufprogramms wahrscheinlicher als Zinsanstieg

„Am kommenden Donnerstag wird die EZB betonen, dass sie die Anleihen in Höhe von €60 Milliarden monatlich weiter kaufen wird. Erst im Dezember wird sie diese Zahl auf €80 Milliarden erhöhen und schlechtere Wachstumszahlen sowie deflationäre Impulse in der Eurozone melden“, kündigte Dowding seine Prognose im Gespräch mit Citywire Deutschland an.

Seit März 2015 laufen die Anleihekäufe der EZB mit dem Ziel, die Wirtschaft und auch die Preisentwicklung anzukurbeln. Da im September die Preise in der Euro-Zone jedoch um 0,1% sanken, waren Spekulationen über eine vorzeitige Ausweitung des Programms aufgekommen. Das Inflationsziel in der Eurozone bleibt bei 2%.

„Wir halten eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms für viel wahrscheinender als einen Zinsanstieg“, sagt Dowding. „Die EZB wird die Zinsen erst im Jahr 2020 erhöhen – das ist der Termin, den man in seinen Kalender schreiben sollte.“

Schwarzes Loch im Anleiheuniversum

Vieles spricht dafür, dass die EZB noch länger mit dem ersten Zinsanstieg warten wird. Die US-Fed und die Bank of England erwägen derzeit, ihren Leitzins zu erhöhen. Jedoch haben diese beiden Länder viel früher mit einer geldpolitischen Lockerung angefangen und haben – anders als bei der EZB-Politik – ihre Geldpolitik mit der Fiskalpolitik kombiniert.

Einen Zinsanstieg in den USA erwartet Dowding erst Mitte 2016. „Die Renditen werden auf lange Sicht niedrig bleiben. Im Euro-Raum können wir mit einem „Japan“-Effekt rechnen, in dem wir eine verflachende Zinskurve und eine breite Einengung der Zinsdivergenz sehen werden“, so Dowding.

„Deutsche Staatsanleihen sind für uns wie ein schwarzes Loch im Universum – sie saugen alle Renditen im Anleiheuniversum auf. Dieses Jahr war von Sorgen um Chinas Wachstum und um einen US-Zinsanstieg geprägt. Diese Sorgen waren einfach übertrieben. Wenn die Volatilität wieder sinkt, werden wir wieder risikofreudige Investoren mit vor allem hohen Bargeld-Reserven am Markt haben.“

Seine Anleihefonds, darunter der BlueBay Investment Grade Euro Aggregate Bond-Fonds, haben Ende 2011 ihre ersten Käufe in Anleihen von hochverschuldeten Ländern in der Eurozone getätigt. Erst Mitte 2014 hat Dowding seine Position bei italienischen und spanischen Anleihen so reduziert, dass er seither ein Untergewicht dort hält.

Stärker auf Zinsdiskrepanzen schauen

Dieses Jahr konnte der Fonds am stärksten von Ländern wie Chile profitieren, die aufgrund der Schwellenland-Sorge unter Druck geraten sind. Für das nächste Jahr möchte Dowding sein Portfolio so aufbauen, dass er handlungsfähig ist, sollte es zu Risiken wie Illiquidität am Anleihemarkt oder kurzfristigen Schwankungen am europäischen Anleihenmarkt kommen. So kauft er überwiegend Anleihen mit kürzerer Laufzeit.

„Die Volatilität ist zurückgegangen, aber sie ist noch nicht weg“, so Dowding. Nun würde man stärker auf Zinsdiskrepanzen schauen müssen. Die Zeit von reinen „Peripherie“-Wetten, wie man es in den Jahren 2012 und 2013 gesehen hat, sei vorbei.

Das vollständige Interview mit Mark Dowding können Sie in der November-Ausgabe von Citywire Deutschland lesen.  

Kommentar hinterlassen

Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich um zu kommentieren. Die Registrierung ist kostenlos und wird nur ein bis zwei Minuten dauern.