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Im Portrait: Die Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung

Im Portrait: Die Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung

Vor sechs Jahren haben vier ehemalige Berenberg- Führungskräfte den unabhängigen Vermögensverwalter Albrecht, Kitta & Co. gegründet. Bis heute haben sie mehr als 300 Millionen Euro eingesammelt und jüngst ein neues Büro bezogen. Im Gespräch mit TIM HABICHT erklären sie, warum sie den Weg in die Selbstständigkeit gewählt haben – und wie sie vier starke Charaktere unter einen Hut bekommen.

Jeden Tag schließen sich irgendwo auf der Welt Musiker zu einer Band zusammen. Gewöhnlich spielen dabei alle unterschiedliche Instrumente – und mindestens einer tritt als Sänger ans Mikrofon: Ein Sammelsurium verschie­dener Talente, Charaktere und Ideen. Klar, dass es da auch mal zu Reibungen kommt. Diese können, wenn man sie richtig kanalisiert, befruchtend für die musikalische Entfaltung der Gruppe wirken.

In Hamburg haben sich schon viele berühmte Bands gegründet: Fettes Brot, Fünf Sterne Deluxe, Beginner, Deichkind oder Tocotronic. Ihr Ansporn ist es oft, genau die Musik zu machen, die sie selber gerne hören würden; ihre Zuhörer zu be­geistern – und nicht in erster Linie, möglichst viele Platten zu verkaufen. Was hat nun aber eine Band wie Deichkind mit einem Hamburger Vermögens­verwalter zu tun – immerhin ist das doch eine ganz andere, etwas weniger hippe Branche. Allerdings war der Ansporn für die Gründung der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung mit dem einer Band durchaus vergleichbar.

„Unsere Motivation zur Gründung war relativ klar und deutlich: Wir wollen eine transparente Linie fahren und mit offenen Karten für unsere Kunden arbeiten. Wir wollen keine eigenen Produkte vertreiben und nicht verkaufen, sondern unsere Kunden mit einem klaren Honorar-Ansatz beraten“, sagt das Gründer-Quartett bestehend aus Sven Albrecht, Andreas Kitta, Holger Knaup und Carsten Riehemann.

NEUES BÜRO ALS GRUNDLAGE

Im Herbst 2012 haben die vier Finanzex­perten ihre eigene Vermögensverwaltung gegründet. Im April 2013 ging es mit entspre­chender 32er-Lizenz der BaFin an den Start. Zuvor hatten alle vier zusammen bei der Privatbank Berenberg in leitenden Funkti­onen gearbeitet. Es gibt sicher schlechtere Arbeitgeber in der Hamburger Finanzwelt. Dennoch entschieden sich Albrecht, Kitta, Knaup und Riehemann dazu, ihre eigene Ver­mögensverwaltung auf die Beine zu stellen. Fragt sich nur: Warum?

„Seit 2000 haben wir gemeinsam bei Berenberg gearbeitet. Damals war die Berenberg Bank noch verhältnismäßig klein. Das hat sich über die Jahre und Jahrzehnte natürlich verändert und die Bank ist immer weiter gewachsen. Da haben wir gewisse Veränderungen wahrgenommen“, sagt das Quartett rückblickend. „Im Private Banking waren alle Mitarbeiter damals zum Beispiel 100 Prozent in Kundenkontakt. Als wir uns entschlossen haben, die Bank zu verlassen, ist das unter anderem auch durch die Regula­torik auf 50 Prozent gesunken. Das Private Banking hat sich von der Personalstärke ver­vielfacht und der Abwicklungs- und organisa­torische Bereich im Middle- und Back-Office ist um ein Vielfaches größer geworden. Der gesamte Apparat ist deutlich angewachsen.“ Der Fokus wurde sozusagen vom Schreiben der Songs hin zum Vermarkten der eigenen Platten verschoben.

Inzwischen ist die Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung mit neun Mitarbeitern und Assets in Höhe von über 300 Millionen Euro ein etablierter Player in der Hamburger Vermögensverwaltungs-Szene. Jetzt ist für das Unternehmen die Zeit gekommen, nach dem Debüt-Album und den ersten großen Gigs den nächsten Schritt zu gehen: Im September die­ses Jahres ist ein neues, größeres Büro bezogen worden. Mehr Platz für mehr Mitarbeiter und damit die Grundlage für das weitere Wachstum. Raus aus der Garage, rein ins eigene Studio. Allerdings soll auch dieser Schritt mit Bedacht gesetzt wer­den: „Wir möchten bewusst fokussiert bleiben und keinen Rattenschwanz an Kosten haben. Je größer man wird, desto größer werden die Aufgaben in der Compliance oder beim Datenschutz. Insofern muss man dann weiterhin wachsen und ein immer größeres Team aufstellen. Das möchten wir nicht. Wir möchten zurück zu den Wurzeln und eine hochqualitative Vermögensverwaltung anbieten.“

KUNDEN HABEN EINE GROSSE TREUE GEGENÜBER BANKEN

Aktuell befindet sich das Unternehmen nach dem Umzug und dem Abschluss der ersten Unterneh­mensphase in der Konsolidierung. „Das hört sich zunächst immer nach Stillstand an, ist aber eher die Vorbereitung auf die nächsten Schritte und das weitere Wachstum. Wir sind vorbereitet für die nächsten Schritte: Wir haben den Platz, können personell weiter wachsen und neue Themen wie beispielsweise digitale Services für Kunden ange­hen“, erklären die vier und fügen hinzu: „Unsere Dienstleistung wird sich in den kommenden zwei, drei Jahren deutlich weiter verästeln, moderner und breiter im Angebot werden. Wir müssen uns immer weiter entwickeln und auf die Wünsche der Kunden eingehen. Das muss nicht direkt der eigene Robo-Advisor, sondern können eben auch digitale Services sein.“

Die Erweiterung der klassischen Vermögens­verwaltung durch ein verstärkt digitales Angebot und Services sei die nächste große Aufgabe für die Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung. Die Grundlagen seien beispielsweise mit digitalen Schnittstellen zur Depotbank bereits gelegt. „In spätestens drei oder vier Jahren wird das nahezu komplett digitale Angebot als Vermögensverwal­tung zu jedem Service dazugehören. Wir denken da in Richtung der Schaffung eines virtuellen Raumes für unsere Mandanten. Dort sollen verschiedene Dinge bedient werden können: Klar und geordnet. Ein Wildwuchs der Nachrichten soll vermieden und alles gesammelt werden.“

Die Zukunft wird auch in der klassischen Vermögensverwaltung durch die voranschrei­tende Digitalisierung bestimmt sein. Aber wird die Zukunft für Vermögensverwalter auch eine rosige sein? „Die Geschichte, dass unabhängigen Vermögensverwaltern das nächste Jahrzehnt ge­hört, höre ich schon seit 2001. Diese Story kommt immer wieder, hat sich bisher aber nicht wesent­lich auf den Marktanteil ausgewirkt. Das wird sich ändern. Ich denke, dass unabhängige Vermögens­verwalter ein großes Wachstumspotenzial haben. Allerdings haben Kunden gegenüber Banken eine große Treue. Auch wenn das Ansehen der Banker stark gelitten hat. Die Privatkunden haben bisher allerdings daraus noch keine großen Konsequen­zen gezogen.“

VIER STARKE CHARAKTERE

Mit dem eigenen unabhängigen Angebot, frei von Produktzwängen, will die Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung diesen Kunden ein neues Zuhause bieten. Viele Kunden würden inzwischen verstehen, dass sie nicht mehr bei Banken betreut werden. Im Zeitalter der Digitalisierung würden sie im Internet bei der Sucheingabe „Vermögens­verwaltung Hamburg“ überwiegend unabhängige Vermögensverwalter finden – und eben keine Banken. Außerdem könnten sich Banken und große Privatbanken alleine von administrativen Wert­schöpfungsgesichtspunkten es nicht mehr leisten, ihr Angebot stark auf den Kunden zuzuschneiden. Unabhängige Vermögensverwalter hingegen schon.

Für neue Kunden und weitere Assets ist die Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung entsprechend gut aufgestellt. Aber was für einen Sound können die Kunden beim Hamburger Quartett erwarten? „Neben dem externen Exper­tentum ist es uns wichtig, dass wir Herr unseres Unternehmens bleiben. Dass jeder den Stand des Firmenkontos kennt oder weiß, was für Transakti­onen anstehen. Nicht zur Debatte steht aber das Outsourcing unserer Kerndienstleistungen: Die Strategieentwicklung, das Portfoliomanagement und das Risikomanagement.“

Die Hamburger wollen eine Marke aufbauen, nicht als One-Hit-Wonder enden. „Als Marke vereinen wir vier unterschiedliche starke Cha­raktere. Jeder bekommt seinen Raum für seine eigenen Kompetenzen und Eigenheiten. Daraus bündeln wir unsere Stärken und setzen diese für unsere Kunden gewinnbringend ein.“ Jeder der vier Gründer hat sein Spezialgebiet wie Accounting, Portfoliomanagement, Rechtssicherheit oder Öffentlichkeitsarbeit. Dass alle vier komplett unterschiedliche Charaktere und Typen sind, zeige sich durchaus als Gewinn: „Jeder bringt sich ein, es gibt kontroverse Diskussionen, aber nie ernsthaften Streit. Sonst hätten wir es gemeinsam nicht fast 20 Jahre ausgehalten.“

Dieser Beitrag erschien erstmals im Citywire-Magazin vom Oktober 2018.

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