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Im Portrait: Uwe Günther von der Berlin Portfolio Management

Im Portrait: Uwe Günther von der Berlin Portfolio Management

Es gibt Bauwerke, die zum Sinnbild einer ganzen Stadt werden. Oft sind das die höchsten Wolkenkratzer der City: Funkelnde Riesen, die man schon von weitem sieht, und die die Skyline der Stadt zu ihrer Bühne machen. Aber genauso oft sind es auch die Brücken, die zwar weniger dominant auftreten als die Wolkenkratzer, die dafür aber die Fähigkeit haben, Viertel, Städte oder ganze Kontinente miteinander zu verbinden. So ist es zum Beispiel mit der Erasmus-Brücke im niederländischen Rotterdam, der Ponte Vecchio in Florenz oder der Londoner Tower Bridge.

Eine von insgesamt mehr als 150.000 Brücken in Deutschland ist die Oberbaumbrücke in Berlin. Diese 150 Meter lange und fast 30 Meter breite Brücke steht mehr als nur symbolisch dafür, zwei Ufer einer Stadt miteinander zu verbinden. Zum einen verbindet die Oberbaumbrücke die Berliner Stadtteile Friedrichshain und Kreuzberg. Zum anderen verband sie nach dem zweiten Weltkrieg seit der Ziehung der Sektor-Grenzen in Berlin den sowjetischen mit dem amerikanischen Sektor. Am 31. Oktober 1948 kam es auf der Oberbaumbrücke auch zum ersten tödlichen Grenzzwischenfall nach der Teilung der Stadt in Ost und West.

Einer, der nicht nur die Historie dieser Brücke gut kennt, sondern auch weiß, was sie technisch und strukturell so einzigartig macht, ist Uwe Günther. Der Gründer der BPM – Berlin Portfolio Management ist schon länger hauptberuflich als Vermögensverwalter unterwegs. Das war allerdings nicht immer so: Zwischen 1982 und 1985 hat Günther beim Wasserstraßenhauptamt Berlin eine Berufsausbildung mit Abitur zum Wasserbautechniker absolviert. „Hierbei habe ich an mehreren Brücken, Kanälen und Flüssen gearbeitet. Diese Passion habe ich als Offizier der Pioniertruppen später fortgesetzt“, sagt Günther.

Ausländische Kunden dank strukturierter Anleihe

Nach zwei Stationen von jeweils zehn Jahren bei der Berliner Bank und der BHF Bank in Berlin hat Günther sein eigenes Unternehmen gegründet: Die BPM. Der unmittelbare Antrieb zur Gründung seiner Vermögensverwaltung, die aktuell über 440 Millionen Euro Assets under Management hat, kam eher zufällig. Nachdem die ehemalige Mutter der BHF-Bank, Sal. Oppenheim, in Schieflage geraten und von der Deutschen Bank übernommen worden war, wollten viele ausländische Kunden, die von Günther betreut wurden, nicht zum deutschen Riesen wechseln. „Von diesen kam der Auftrag an mich, einen Plan B zu entwickeln. Es folgten zahlreiche und intensive Gespräche mit großen anderen deutschen Adressen, die mein Team und mich gerne integriert hätten. Allerdings sollte unser Spezialgeschäft und -wissen nicht im bestehenden Team, sondern durch bestehende Abteilungen der Banken übernommen werden. Das kam für uns nicht in Frage und war der Auslöser, warum ich im Jahre 2010 die 32er-Lizenz beantragt und die BPM gegründet habe.“

Das Spezialgeschäft lag für Günther und sein Team bei der Entwicklung von Anleihen mit strukturierten Coupons und eingebetteten Sonderrechten. „Anfang der 2000er-Jahre hatten wir diese institutionelle Idee in den USA entdeckt. Diese Form strukturierter Anleihen war bei Vermögenden in Deutschland und Europa damals noch unbekannt.“ Das sprach sich rum – und so kamen immer mehr Kunden aus dem Ausland auf Günther und sein Team zu.

Der Start der eigenen Vermögensverwaltung verlief dann ähnlich wie der Brückenbau: „Wir sind ohne Telefonanschluss, ohne Möbel und ohne Computer mit drei Personen gestartet. Eine dieser Personen war meine Frau, die damals sogar noch in der Elternzeit war. Dann haben wir gemeinsam das Parkett verlegt, fast neuwertige Büromöbel aus Insolvenzen erworben und die Anschlüsse installiert. Danach kamen dann auch schon weitere Mitarbeiter. Relativ schnell waren wir dann acht Kolleginnen und Kollegen.“ Inzwischen beschäftigt die BPM zehn Mitarbeiter – und wächst vor allem dank der hohen Anzahl von ausländischen Kunden. Rund 50 Prozent der BPM-Kunden sind aus Deutschland. Daneben gehören die Niederlande, Israel, Spanien,Großbritannien und auch lateinamerikanische Länder sowie Japan zu den Wohnsitzländern der Mandanten. „Für viele ausländische Vermögensinhaber ist Deutschland ein sehr attraktiver Platz für Teile ihres Vermögens, quasi als sicherer Hafen. Deswegen sehen wir dort noch sehr viel Wachstumspotenzial“, sagt Günther.

Ein neues Office in Hamburg

Der Berliner Vermögensverwalter fokussiert klar und bewusst seine Stärke im Umgang, dem Onboarding und der Betreuung ausländischer Kunden; nicht zuletzt durch die Eröffnung von zwei neuen Offices. Am 1. November ist das neue Büro der Niederlassung in Tilburg bei Eindhoven eröffnet worden. Für diesen Standort besitzt die BPM eine komplette Lizenzierung über den sogenannten EU-Pass zur Vermögensverwaltung. „Damit bauen wir unsere Präsenz und das Geschäft in den Niederlanden weiter aus. Und da viele Niederländer auch in Belgien und Spanien unterwegs sind, erwarten wir hieraus zusätzliche positive Effekte“, sagt Günther, der auch nach Hamburg blickt. Dort wird zum 1. Dezember 2018 ein neues Büro eröffnet. Zwei der insgesamt zehn Kollegen werden aus der Hansestadt arbeiten. „Wir gehen allerdings nicht den Weg, massiv weitere Standorte aufzubauen. Aber wir wollen die Orte stärken und leistungsfähiger machen, an denen wir schon präsent sind. Hamburg ist für uns als alte Hansestadt sozusagen ein weiteres Tor zur Welt. Deshalb sind unsere Hamburger Kollegen auch eng in die Betreuung der internationalen Mandanten eingebunden.“

Es sind die zwei größten Brücken, die im laufenden und kommenden Jahr durch Günther und das Team der BPM errichtet werden. Bereits seit über 15 Jahren haben die Berliner ihre Zelte in Israel aufgeschlagen. „Wir kennen Land, Leute und Mentalität gut und haben ein interessantes Netzwerk in Israel aufgebaut. Drei Partner arbeiten dort für uns als Ratgeber, Vermittler und Betreuer; und fast jeden Monat ist ein Mitarbeiter des Berliner Büros einige Tage vor Ort“, so Günther. Komplettiert wird das große Kunden-Portfolio auch durch Kontakte in der kanadischen Provinz British Columbia. Dort ist die BPM ebenfalls als Vermögensverwalter registriert.

Auf kulturelle Unterschiede eingehen

„Um unproduktive Konkurrenzsituationen möglichst zu vermeiden, suchen wir als spezialisierte Boutique bewusst Chancen in interessanten Nischen. In der Betreuung rentenorientierter Stiftungsmandate, im Management spezieller einkommensorientierter Publikumsfonds und im globalen Auftritt haben wir unsere Stärken. Hier wird weiter intensiviert“, blickt Günther in die Zukunft. Eine Zukunft, die stark vom Bau unterschiedlicher Brücken in unterschiedliche Kulturen geprägt sein wird. „Der Brückenschlag zu unterschiedlichen Mentalitäten in den verschiedenen Ländern ist für meine Kollegen und mich sehr interessant und bereichernd. Wir treffen auf unternehmerisch geprägte und weltoffene Niederländer, auf emotionale, dynamische und kreative Israelis genauso wie auf warmherzige und vielseitig interessierte Lateinamerikaner.“

Günther und sein Team müssen sich auf die verschiedenen Kulturen und Bedürfnisse einstellen. Dass das nicht immer gleichbedeutend mit dem bestmöglichen Angebot für seine Kunden ist, weiß er aus Erfahrung: „Beispielsweise hatte ich mit dem Direktor einer Diamantenbörse im Jahr 2015 ein interessantes Erstgespräch. Nach dem freundlichen Austausch persönlicher Details fragte er mich, wie die Performance des bisherigen Jahres war und wie die Performance im kommenden Jahr werden würde. Darauf antwortete ich kaufmännisch-vorsichtig, dass wir schwierigere Zeiten erwarten und für das kommende Jahr mit fünf bis sechs Prozent kalkulieren. Er guckte mich an und sagte, dass wir dann leider nicht ins Geschäft kämen: ‚Mein Verwalter in Genf spricht von mindestens zehn Prozent.‘“ Trotz, oder vielleicht auch gerade wegen der kulturellen Unterschiede gelingt Günther und seinem Team vor allem dank dieser ausländischen Kunden ein starkes und nachhaltiges Unternehmenswachstum. Dabei helfen Günther auch seine Fähigkeiten im Brückenbau. Auch wenn er heute nicht mehr Stahl und Beton benötigt, um Nationen, Kulturen und Traditionen miteinander zu verbinden.

Dieser Artikel erschien urpsprünglich in der 45. Ausgabe des Magazins von Citywire Deutschland.

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