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Meinung: Impact-Anlagen in Schwellenländern haben enormes Potenzial

Mathieu Nègre, Fondsmanager und Head of Global Emerging Equities bei UBP, erklärt in einem Gastbeitrag, was es beim Impact Investing in Schwellenländern zu beachten gibt.

Meinung: Impact-Anlagen in Schwellenländern haben enormes Potenzial

Mathieu Nègre ist Fondsmanager und Head of Global Emerging Equities bei der Schweizer Privatbank Union Bancaire Privée. In diesem Gastbeitrag geht er auf Impact Investments in Schwellenländern ein und was es dabei zu beachten gibt.

In den Schwellenländern ist Impact Investing ein relativ neuer Trend, der mit einigen Problemen zu kämpfen hat. Aber die Investmentstrategie bietet dort angesichts des enormen Potenzials für soziale und ökologische Veränderungen größere Chancen für Anleger als in den Industrieländern.

Erwartungsgemäß sind die Schwellenländer tendenziell weiter als die Industriestaaten davon entfernt, die 17 von den Vereinten Nationen formulierten Nachhaltigkeitsziele (SDGs) bis 2030 zu erreichen. In den meisten Schwellenländern fehlen widerstandsfähige Institutionen und ein verlässlicher Rechtsrahmen. Das macht sich besonders bei sozialen Aspekten bemerkbar. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung hat weder ausreichenden Zugang zu Wasser noch zu Vorschul- oder weiterführender Bildung.

In Umweltfragen schneiden die Schwellenländer gemessen am CO2-Ausstoß pro Einwohner in der Regel zwar besser ab als die Industrieländer, aber Bevölkerung und Wirtschaft wachsen auch deutlich schneller. So entstehen Herausforderungen, die durch eine effizientere Energienutzung und die Erzeugung erneuerbarer Energien bewältigt werden müssen. Das Potenzial dieser Märkte ist damit ungleich größer und macht sie für Anleger attraktiv. Der Anschluss einer Gemeinde an Wasser und Stromnetze wird das Leben einer großen Zahl von Menschen dramatisch verbessern; ein Hochschulanbieter wird in einem Land mit niedrigem Bildungsniveau wahrscheinlich noch lange eine starke Nachfrage verzeichnen.

Natürlich bringt Impact Investing in Schwellenländern auch Probleme mit sich. In erster Linie sind hiervon Offenlegung und Berichterstattung betroffen. Methodisch steckt Impact Investing weltweit noch in den Kinderschuhen, in dieser Hinsicht hinken Unternehmen aus den Schwellenländern ihren europäischen oder amerikanischen Pendants hinterher. Das macht es schwieriger, die Wirkung einer Investition zu beurteilen. Hinzu kommt, dass aufgrund des oft geringeren Umweltbewusstseins in diesen Regionen die Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen, Unternehmen und Investitionen bislang geringer ausgeprägt ist.

Mit Blick auf die Zukunft und trotz der Herausforderungen bieten diese Märkte im Bereich Impact Investing interessante Anlagemöglichkeiten. Private-Equity und Venture-Capital-Investoren halten in diesen Ländern seit geraumer Zeit Ausschau und sind mit etwa 50% ihrer Impact-Fonds in Schwellenländern investiert. Auch wenn Nachhaltigkeit hier in vielen Unternehmen noch nicht oben auf der Agenda steht, zeigt sich die nötige Bereitschaft zu einem konstruktiven Dialog mit den Investoren. Viele große Namen stammen inzwischen aus Schwellenländern, vor allem aus Brasilien, China, Südafrika, Indien und Thailand. Ein gutes Beispiel ist der indische Pharmariese Cipla, der maßgeblich an der Entwicklung antiretroviraler Therapien und deren Verbreitung vor allem in Afrika beteiligt war.

Während sich das Unternehmen dem Ziel verschrieben hat, arme Länder mit bezahlbaren Medikamenten zu versorgen, konnte es auch seinen Marktanteil in den einkommensstärkeren Ländern ausbauen. Nach Angaben des Global Impact Investing Network (GIIN) sind in den Schwellenländern Investitionen von rund $2,5 Billionen pro Jahr erforderlich, um die Ziele der Agenda 2030 zu erreichen. Herauszufiltern, wem diese Investitionen zugutekommen werden und dann auf die richtigen Unternehmen zu setzen, mag als große Aufgabe erscheinen. Sicher ist jedoch, dass Unternehmen, die in der Lage sind, zur Lösung der drängendsten Probleme von Schwellenländern beizutragen, am besten positioniert sind, um von veränderten regulatorischen Rahmenbedingungen zu profitieren und langfristig schnelleres Wachstum und höhere Rentabilität zu erzielen.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der 65. Ausgabe des Citywire-Deutschland-Magazins.

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Mathieu Nègre
Mathieu Nègre Durchschnittliche Fondsperformance:
35,38%
1/41 in Aktien - Schwellenländer Europa (Performance über 3 Jahre)
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