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Robert Smith: Mit den Kleinen auf der Überholspur

Robert Smith: Mit den Kleinen auf der Überholspur

Robert Smith entgeht dem Gedränge der Tube und fährt lieber mit seinem ressourcenschonenden Elektroroller zur Arbeit.

„Heute muss sich jeder mit neuen Ideen und Innovationen beschäftigen“, meint Smith, der bei Barings Spezialist für deutsche Aktien ist. Auch die großen Automobilbauer müssten die Chance nutzen und geschickt am Trend der Erneuerbaren Energien teilnehmen.

Derzeit verwaltet der Londoner Smith in seinem in Deutschland erhältlichen Baring German Growth Trust Fonds rund €470 Millionen Euro und konnte, seitdem er den Fonds im Jahr 2008 übernahm, einen Gesamtertrag von 236,92% erzielen. Damit übertrifft Smith, bis auf einen Monat, sowohl seine von Citywire gegebene Benchmark, den DAX 30 TR Index, als auch den HDAX TR durchgängig. Über einen Zeitraum von 10 Jahren bis Ende Oktober 2014 lag Smiths Performance bei 377,32% gegenüber der Benchmark von 165,68%.

Über UK Mid-Caps zum German Growth Trust

Als Smith 1998 zu Barings kam, leitete der Fondsmanager, der seit Anfang 2011 ein konstantes Citywire Rating hat und derzeit + geratet ist, fünf Jahre lang den UK Mid-Cap Fonds und führte schon zu dieser Zeit intensive Recherchen im deutschen Markt durch, da er sich auf Industrie- und Autowerte fokussierte. Damit war der Wechsel zum Baring German Growth Trust Fonds der logische nächste Schritt.

„Schon im UK Mid-Cap Fonds beschäftigte ich mich intensiv mit Industrie- und Autowerten. Das ist für meine jetzige Arbeit im deutschen Fonds sehr wichtig.“

Am 1. November 2008 übernahm er das Fondsmanagement des Baring German Growth Trust Fonds, welcher bereits im Jahr 1990 aufgelegt wurde. Zu den vorherigen Fondsmanagern gehört auch Daniel Ison, der diesen von 1996 bis 2001 verwaltete und heute bei Threadneedle diverse Fonds managt.

Seitdem Smith den Fonds vor sechs Jahren übernahm, führte er einige grundlegende Veränderungen durch, um die Performance zu optimieren und das Portfolio flexibler zu gestalten. Insbesondere die schwere Gewichtung in den großen deutschen „Mega-Caps“ hätte er ab 2008 stark verringert.

Tatsächlich schafft Smith mit dem Zeitpunkt seiner Übernahme des Fonds auch den „Turnaround“. Denn zum 31.10.2008 hatte der deutsche Aktienfonds noch eine Underperformance im Vergleich zu seiner relevanten Benchmark.

In den zwei Jahren bevor Robert Smith den Fonds übernahm, also von Ende Oktober 2006 bis Ende Oktober 2008, ließ die Performance des Baring German Growth Trust Fonds um 27,71% nach. Der DAX 30 TR verringerte sich über den gleichen Zeitraum um 20,95%.

„Das Problem mit der Portfolio-Konstruktion vor 2008 war die starke Übergewichtung in deutsche „Mega-Cap“ Aktien. Ein Großteil des Fonds war in diese riesigen Positionen investiert und wenig wurde in die kleineren Unternehmen gesteckt. Wenn aber die großen Firmen keine gute Performance hatten, dann litt der ganze Fonds“, so Smith.

Somit entschied sich Smith, die Anzahl der Holdings im Fonds zu verändern und erhöhte innerhalb seiner ersten sechs Monate von 20-30 auf 60-80 Positionen. Zudem habe er ein 20-30% hohes strukturelles Untergewicht zu den deutschen Mega-Caps. Das gesamte Risikobudget wird in Mid-Caps angelegt.

Übergewicht bei Nebenwerten

Der Erfolg der letzten Jahre lasse sich auf die neue Zusammen-setzung des Fonds zurückführen, sagt Smith. Der Schwerpunkt des Portfolios auf Small und Mid-Caps erlaubt schnellere Reaktionen und die Möglichkeit, sich dem Markt akkurater anzupassen.

Den Kursrückgang im Oktober bewertet Smith nicht als dramatisch, im Gegenteil: er nutzte die Einstiegsmöglichkeiten und erhöhte das Exposure bei Small-Caps stark.

„Im Oktober haben wir bei Small-Caps nochmal zugekauft, da die Bewertungen sehr attraktiv waren. Wir haben jetzt das größte Small-Cap Exposure in der Geschichte des Fonds“, so Smith.

Zwar hat der Fondsmanager sein Exposure bei Firmen mit einer Marktkapitalisierung von $50 bis $100 Milliarden seit September erhöht, von 34,3% auf 41,4%. Dagegen reduzierte Smith sein Exposure bei den Firmen über $100 Milliarden deutlich von 16,4% auf 9,9%.

Im Gegenzug erhöhte Smith bei den noch kleineren Firmen, von $2 bis $5 Milliarden, auf 10,9% – Ende September lag dieser Wert noch bei 8,5%. Somit beträgt das Exposure des Fonds in Firmen mit einer Marktkapitalisierung unter $5 Milliarden insgesamt 33%.
Im Vergleich zur von Citywire gesetzten Benchmark, dem DAX 30 TR Index, hatte die Performance des Fonds in der letzten Zeit jedoch gelitten.

Somit ging die Performance des Baring German Growth Trust über die letzten sechs Monate, bis Ende Oktober 2014, um 5,6% zurück, während der DAX 30 TR Index um 2,88% fiel. Dies führt der Fondsmanager auf eine Unsicherheit auf dem Markt zurück.

„Der Rückgang, insbesondere bei den Small-Caps, kommt von einer Angst im Markt. Viele befürchten eine Wiederholung der Jahre 2008 und 2009, doch ich sehe die Situation positiver: die Angst ist zwar da, aber es ist nicht so schlimm, wie viele denken“, so der Fondsmanager.

Einen weiteren Rückgang bei Small-Cap Positionen und eine Wiederholung der europäischen Rezession von 2008/2009 sei auch das größte Risiko des Fonds, gibt Smith zu.

„Aufgrund des hohen Anteils an Small-Caps im Fonds wäre eine Wiederholung der Krise durchaus kritisch, da diese Titel am schnellsten betroffen wären“, so der Fondsmanager. Dieses Risiko sieht er zur Zeit aber nicht.

Deutschland muss innovativ bleiben

Nur wenn Deutschland auch in der Zukunft Ingenieure mit guten Fähigkeiten ausbilden würde, könne das Land in seinem wichtigsten Markt mithalten, sagt der Fondsmanager.

„Wirklich gefährlich wird es für Deutschland, wenn es an Wettbe¬werbsfähigkeit verliert und die Reformen von vor zehn Jahren wieder umkehrt. Es ist wichtig, ein Umfeld zu kreieren, in dem die guten Köpfe auch gerne im Land bleiben wollen und sich nicht anderswo nach Möglichkeiten umschauen“, so Smith.

Auf die Frage hin, bei welchen Unternehmen sich Smith vorstellen könne, diese auch in 10 Jahren noch in seinem Portfolio zu halten, antwortet der Fondsmanager, dass es schwer sei, die Entwicklung der Firmen vorherzusagen – die meisten Firmen würden über einen so langen Zeitraum eine Überbewertung erreichen und würden damit zu teuer. Nur Firmen mit neuen Produkten in der Pipeline könnten sich so lange halten:

„Der Markt sorgt für Überbewertungen, daher ist die Vorhersage für einen zehnjährigen Zeitraum schwer. Nur Firmen, die kontinuierlich neue Produkte liefern können, haben vielleicht eine Chance. Ich denke da an den Biotech-Sektor und an Unternehmen wie die Hamburger Firma Evotec oder das Unternehmen Biotest“, so Smith.

Er nennt ebenfalls zwei Unternehmen aus dem Sektor der Medizintechnik. Das in Hannover ansässige mittelständische Unternehmen LPKF Laser & Electronics zeige hier Potential für langfristige Innovation. Auch die Firma Nanogate, die sich auf die Veredelung technologisch anspruchsvoller Oberflächen konzentriert, könnte womöglich in 10 Jahren noch im Portfolio vertreten sein.

Das Thema der Nachhaltigkeit spiele in der Zukunft natürlich ebenfalls eine große Rolle, sagt Smith. Nur wer technologische Innovationen auch früh erkenne, der könne sich für die Zukunft richtig wappnen. Hier sei insbesondere die Autoindustrie gefragt.
Ein Beispiel für eine Marke, die sich mit diesem Thema intensiv beschäftigt habe, sei der deutsche Autohersteller BMW, der auch den Elektroroller herstellt, der Robert Smith täglich zur Arbeit bringt.

„Technologische Innovationen sollte man früh erkennen, damit man auch das meiste von der „Payback-Period“ hat. Wenn man in dieser Industrie flexibel ist, dann kann man sich mit einigen Veränderungen langfristig gut positionieren“, so Smith.

Das Exposure in BMW beträgt zum Ende Oktober 2014 mit 3,8% noch 20 Basispunkte mehr als im September.
Des Weiteren würden natürlich auch einige Unternehmen von diesem Trend profitieren, die für spezifische Bereiche beim Autobau zuständig sind. Hier nennt Smith drei Sektoren:

„Von diesem Trend der Nachhaltigkeit, in dem es wirklich um ausgeklügelte Software und Elektronik geht, dann denke ich, dass vor allem Infineon, das Dortmunder Unternehmen Elmos Semiconductor und Continental davon profitieren könnten“, so Smith.

Die neuen Verkabelungen in einem Auto, die mit neuen Hybrid-technologien noch komplizierter werden, seien wiederum ein Vorteil für Leoni, ein Hersteller in den Bereichen Drähte, Kabel und Bordnetz-Systeme.

Als letzten Bereich nennt Smith die Firma Manz AG, die bis 2010 noch Manz Automation AG hieß, die in der Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien eine große Rolle spiele. Wer hier die Kosten der Batterie-Produktion herunterfahren könne, der gehöre in der Zukunft zu den „Big Winners“, so Robert Smith.

Es gäbe natürlich auch Marken, von denen der Fondsmanager derzeit Abstand nimmt. So ist in seinem Portfolio zum Beispiel Volkswagen nicht vertreten, und das, obwohl die Bewertungen im Vergleich zu den anderen großen deutschen Autoherstellern preiswert seien. Die Schwäche von Volkswagen liegt unter anderem am Russland-Exposure – durch den schwachen Rubel und die wirtschaftlichen Probleme des Landes geht der Absatz immer weiter zurück. Seat, eine VW-Tochter, hat sich komplett aus dem russischen Markt zurückgezogen.

„Bei Volkswagen sehen wir ein hohes Risiko aufgrund des Sales- Exposures zu Russland. In den USA wiederum ist die Marke VW nicht sehr begehrt und damit bleibt nur der schwierige europäische Markt“, so Smith.

Deutsche Effizienz

Für den Fondsmanager spiele die starke Export-Verbindung zu China auch in der Zukunft eine große Rolle für Deutschland. Wenn man sich klug positioniert, kann Deutschland nach wie vor von der chinesischen Nachfrage profitieren. Durch die Erhöhung der Löhne in China muss sich das Land nun auch vermehrt Gedanken über intelligente Automation machen. Hier kann Deutschland eine wichtige Rolle spielen, da es vor allem die Teilprodukte für neue Geräte liefern kann. Obwohl die Nachfrage aus China momentan sinkt, werden sich hier neue Märkte entwickeln, die wiederum die Nachfrage ankurbeln werden.

„Das Wachstum in China wird weniger, aber ist immer noch sehr hoch. Außerdem muss das Land zunehmend auf Automatisierung setzen, da auch in China die Gehälter steigen. Davon kann Deutsch-land als Lieferant mit seiner Expertise sehr gut profitieren.“

Generell stünde Deutschland als Markt gut da. Die Werte, die schon vor vielen Jahren wichtig waren – also die Manufaktur und hohe Qualität im Automobilbereich – seien heute mindestens genauso gefragt.

„Die Automobilindustrie durchläuft ganz klar eine Phase der Veränderung. Kostenreduzierungen und Erneuerbare Energien sind ein großer Teil davon. Die deutsche Effizienz wird auch in Zukunft eine große Rolle für das Land spielen.“

Dieser Artikel erschien zuerst in der Dezember Ausgabe von Citywire Deutschland.

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