Für Benjardin Gärtner, Leiter Portfoliomanagement Aktien bei Union Investment, verdeutlichen die Gewinnsteigerungen der Unternehmen, dass die allgemeine Situation für diese so gut ist wie noch nie. „Wir richten unseren Blick insbesondere auf so genannte ‚Profit-Pools‘ (Summe aller potenziellen Unternehmensgewinne) – diese verbessern sich global über Sektoren hinweg“, so Gärtner im Gespräch mit Citywire Deutschland.

Er uns sein Team vermeiden auch zunehmend die klassische ‚defensiv-oder-zyklisch-Denkweise‘ und daher wolle er eher innerhalb der einzelnen Sektoren entscheiden. „Es gibt inzwischen auch innerhalb der defensiven Sektoren große Unterschiede bezüglich der strukturellen Gewinntrends (Profit-Pools) - daher macht auch eine klassisch defensive Aufstellung der Aktien-Portfolios zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn“, so Gärtner.

Digitalisierung: Gewinner und Verlierer

So bringe der Technologie-Trend, beziehungsweise die Digitalisierung, Gewinner und Verlierer. „Beispielsweise meiden wir Medienunternehmen aufgrund der sich verändernden Medienkonsumgewohnheiten und des wachsenden Einflusses von Google und Facebook im Werbemarkt.“ Ebenfalls  zurückhaltend sei das Team gegenüber Banken in Europa, anders in den USA - die wichtigsten Einflussfaktoren seien dort die gute konjunkturelle Lage , die Steuerreform, das Kreditwachstum und die Zinserhöhungen.

Auch favorisiert Gärtner derzeit den Sektor Luxuskonsumgüter und auch die Chemie-Industrie. „Wenn die Aktien- und Immobilienpreise weltweit steigen, kaufen die vermögenden Verbraucher Luxusprodukte, und gleichzeitig liefern die guten Arbeitsmärkte tendenziell hohe Einkommen, die dieses Kaufverhalten ebenfalls beflügeln.“

Der Automobil-Sektor sei hingegen derzeit nicht unbedingt Gärtners Lieblingssegment. In den USA stagnieren die Absatzzahlen, und die Gewinne steigen insgesamt weniger als für den Gesamtmarkt. „In China und Europa sehen wir leichtes Wachstum - die Automobilhersteller bereiten sich gut auf die E-Mobilität vor, - jedoch sind sehr hohe Investitionen erforderlich.“

Noch gute Bewertungen und starke Signale

Insgesamt beobachtet Gärtner, dass die Bewertungen etwas zurückgegangen sind – die KGVs liegen in den USA bei etwa 16,4 und in Europa bei 14,6 – im Vergleich zu  deutschen Bundesanleihen erhält man eine Ertragsrendite von rund 6,8%.

„Die US-Aktienrückkaufprogramme zum Jahresstart verliefen mit Rekordvolumina sehr stark und waren entsprechend ein wichtiges Signal für uns in den schwachen Tagen im Februar bei globalen Aktien – der Kauf eigener Aktien zeigt, dass die Unternehmen relativ gelassen und mutig agieren und sich nicht von der Verunsicherung an den Aktienmärkten haben anstecken lassen“, betont Gärtner.

So ist er insgesamt konstruktiv gestimmt für den Aktienmarkt und im Multi-Asset-Bereich agiere er mit seinem Team tendenziell mutiger und gewichten Aktien über – wenn auch nicht maximal.