Viele Erfolgsgeschichten aus dem Silicon Valley fangen ganz romantisch mit der Gründung des Unternehmens in einer Garage an. Am 1. April 1976 zum Beispiel haben Steve Jobs und Steve Wozniak zusammen mit ihrem Freund Ronald Wayne das Unternehmen Apple Computers Inc. in einer Garage gegründet. Auch die späteren Weltunternehmen Hewlett-Packard und Google sind in Garagen gegründet worden. Aber wussten Sie, dass im Jahr 1981 die Karriere eines der wichtigsten deutschen Vermögensverwalter im Keller eines Wohnhauses ihren Anfang nahm?

Damals ging ein gewisser Peter E. Huber als unbekannter Analyst mit der Neuen Wirtschaftspresse Vermögensverwaltung an den Start. Fast 40 Jahre später geht Huber nun in den verdienten Ruhestand – und übergibt den Staffelstab bei StarCapital an Manfred Schlumberger. „Damals hatte ich ein Zimmer im Keller als Büro umfunktioniert. Meine Frau war Sekretärin. Ich habe mir bei der Stadt einen Gewerbeschein geholt und konnte als Vermögensverwalter anfangen. Allerdings hatte ich noch mit der Stadt kleinere Probleme wegen ‚Wohnraumzweckentfremdung‘, aber sonst gab es keine Regulierung“, blickt Huber auf seine professionellen Anfänge zurück.

Vor dem Weg in die Selbstständigkeit war Huber dreieinhalb Jahre lang Wertpapieranalyst bei einer Investment- Gesellschaft gewesen. Den Job hatte er direkt nach dem Studium angetreten. Aber Huber merkte schnell: Als Angestellter fühlte er sich nicht wohl. Die Gründung des eigenen Unternehmens sollte der Ausweg sein. Ganz so einfach war es dann aber doch nicht: „Das war eine harte Zeit, denn als Analyst hatte ich keine Kunden. Darauf habe ich mit einem Konzept reagiert, in dem ich auf sämtliche Fix- und Managementgebühren verzichtet habe. Ich wollte lediglich eine Performance Fee. Das fanden einige Anleger gut und haben investiert.“ Ein erfolgreicher Kniff. Schon ein Jahr später strich Huber Gewinnbeteiligungen in Höhe von einer Million D-Mark ein.

Diskussionen mit den Kunden

Allerdings ging es auch für einen Star-Investor wie Huber nicht durchgehend bergauf; kein Wunder, wenn man in Value-Aktien investiert. „Ich bin antizyklischer Investor und kaufe Aktien, wenn die Bewertungen günstig sind. Deswegen gibt es immer Höhen und Tiefen. Ich weiß nicht, wo die Börse hingeht. Deswegen kommen Aktien unabhängig davon, wie sich die Börse weiterentwickelt, für mich in Frage, wenn sie günstig bewertet sind. Im Klartext: Ich habe viele Abwärtsbewegungen, wenn die Aktien nicht überteuert waren, im Voraus nicht gesehen. Beispielsweise der Crash von 1987, der hat mich völlig überrascht! In der TNT-Hausse um die Jahrtausendwende war ich hingegen kaum investiert, weil die Aktien viel zu hoch bewertet waren.“

Verpasst hat Huber wegen seines Investment-Ansatzes auch die Hausse der FANG-Titel. Diese wurden aufgrund der hohen Bewertungen nie in die Portfolios geholt. „Das gilt auch für Aktien aus dem damals sogenannten neuen Markt. Da hatte ich auch Diskussionen mit meinen Kunden, weil ich nie Aktien aus dem neuen Markt im Depot hatte. Diese waren einfach absurd bewertet. Das sollte sich im Nachhinein aber als positiv herausstellen“, erinnert sich Huber. Zwar gebe es viele Mitbewerber, die mit dem Trend laufen und beispielsweise in FANG-Titel investiert haben. Trotzdem ist die Performance von Huber in seinen Fonds, insbesondere dem Mischfonds Huber Strategy 1 beachtlich. Sowohl über die vergangenen zehn als auch fünf oder drei Jahre liegt Huber in der Citywire-Datenbank immer unter den 40 besten Fonds – von teilweise über 600 Strategien.

DAX-Verdopplung in zehn Jahren

Aktuell befinden sich die Aktienmärkte in einer Phase, die Huber mag. Die Märkte korrigieren, Angst macht sich bei Investoren breit. Folgt die nächste Rezession? Kommt der nächste große Crash? Für Huber alles Fragen, auf die er keine Antworten geben möchte. Denn: „An den Börsen kann man nicht mit niedrigem Risiko große Gewinne erzieerzielen. Das gibt es nicht. Ich muss mich entscheiden: Entweder schlage ich die Märkte langfristig bei vergleichbarem Risiko der Märkte, oder ich senke das Risiko und versuche wenigstens wie die Märkte abzuschneiden. Ich habe mich entschieden, die Schwankungen auszuhalten und Panikphasen antizyklisch zu nutzen und die Märkte langfristig zu schlagen – aber ohne dass ich Harakiri spiele.“

Als Reaktion auf die aktuelle Korrektur an den globalen Aktienmärkten hat Huber seine Aktienquote angepasst. Und zwar nach oben. Mischfonds- Konkurrenten wie Frank Fischer oder Jens Ehrhardt sicherten im November ihre Portfolios ab, Huber erhöhte die Aktien-Allokation von 55 auf 75 Prozent. „Das aktuelle Bewertungsniveau der Aktienmärkte ist im Hinblick der aktuellen Zinsentwicklung mehr als attraktiv – außer in den USA. Aktien sind sogar deutlich unterbewertet. Der DAX wird sich in den kommenden zehn Jahren mindestens mehr als verdoppeln!“

„Ein Sargnagel für die Branche“

Huber hat über die vergangenen Jahre aber nicht nur erfolgreich mit Aktien gehandelt. Trotz großer Erfolge ist er Realist geblieben und gibt zu: „Es gibt kaum Vermögensverwalter, die den Erfolg an den Börsen für sich gepachtet haben. Das Geschäft und auch der Erfolg sind zyklisch. Damit muss man auch als Vermögensverwalter umgehen können.“ Wichtig ist für Huber, dass man standhaft in seinem Investment-Stil bleibt und Geduld hat. Dass dies nicht immer leicht sei, liege vor allem am direkten Kontakt zu den Kunden: „Mich hat es immer sehr mitgenommen, wenn die Kurse gesunken sind. Das hat mich natürlich als Value-Investor sehr gefreut, weil die Kurse dann gar nicht weit genug sinken können. Aber die Kunden leiden unter diesen fallenden Kursen; ich habe wie ein Hund mit ihnen gelitten. Man bekommt an den Börsen nichts geschenkt. Das ist mitunter eine große Belastung – und definitiv kein Free Lunch.“

Heute blickt Huber auf eine erfolgreiche Investment- Karriere zurück. In dieser hat er mindestens zwei Generationen in Deutschland stark beeinflusst. Ein großer Name, dessen Karriere in einem kleinen Kellerzimmer begann. Wäre so eine Geschichte auch heute noch möglich – vor dem Hintergrund von MiFID II und der großen Regulierung von Vermögensverwaltern? Huber winkt ab: „Heute wäre es für mich unmöglich, noch mal eine Vermögensverwaltung zu starten! Dafür sind ein ganzer Apparat und viel Vermögen zum Start nötig. MiFID II ist ein Sargnagel für die Branche. Die Regulierung ist inzwischen eine absolute Katastrophe!“

Aber darum muss sich Huber jetzt nicht mehr kümmern. Er kann die neugewonnene Freizeit genießen. Er will ein Buch schreiben. Und er freut sich auf ausgiebige Spaziergänge mit seinem Hund. „Ich bin eher der genügsame Typ und muss nicht am Wochenende auf die Bahamas fliegen zum Golf spielen. Ich bin bodenständig“, sagt Huber, der in Zukunft nur noch sein eigenes Geld verwalten wird, von sich selbst. Aber wird einer wie er nicht doch manchmal den alten Kollegen auf die Finger schauen oder vor dem nächsten großen Trend warnen wollen? Der StarCapital-Haupsitz liegt schließlich fußläufig von seinem Zuhause entfernt. „Ich werde mich nicht einmischen und bei den Kollegen vorbeischauen“, sagt Huber. Es ist wie mit jeder guten Geschichte: Sie braucht einen Anfang, eine Mitte – und ein Ende.

Der Artikel erschien ursprünglich in der 46. Ausgabe des Magazins von Citywire Deutschland.